Wir versuchen dann ihnen Mut zu machen…

Ursprünglich im April 2010 veröffentlicht:

In der aktuellen „M“, der „medienpolitischen ver.di-Zeitung“, kann man in einem Artikel zum Thema Vergütungsregeln für Freie folgendes lesen:

ver.di erreichen zurzeit viele Mails, in denen freie Kollegen ihre miese Bezahlung sowohl bei Texten (unter 10 Cent! (Zeilenhonorar; Anm. d. A.)) als auch bei Fotos (doch ganze 4 Euro!) schildern. „Wir versuchen dann, diesen Kollegen Mut zu machen. (…)“

Nein! Leuten, die ihre Bilder für 4,- € das Stück verkaufen, muß man keinen Mut machen! Die sollte man eher mal fragen, ob sie nicht vielleicht selbst schuld dran sind, daß sie sich ausgebeutet fühlen. Und ob nicht ihr eigenes „Verhandlungsgeschick“ sie dahin gebracht hat – wer immer sagt er könne mit weniger Honorar nicht existieren, aber trotzdem nach jeder Honorarkürzung weitermacht statt zu kündigen, den kann man nicht ernst nehmen.

Und vor allem sollte man sich in einem Artikel zu diesem Thema dann nicht „erschüttert über die offensichtliche Unkenntnis in manchen Chefredaktionen“ zeigen, sondern sich vielleicht mal über die offenkundige Doofheit der Leute unterhalten, die zu solchen Dumpingpreisen arbeiten und die über die Jahre die Entwicklung solcher Dumpingpreise erst möglich gemacht haben.

Warum sollte sich eine Chefredaktion die Frage stellen, ob 4,- € ein angemessener Preis für ein Foto sind, wenn da jede Menge Leute Tag ein Tag aus Fotos für 4,- € machen

Und vielleicht sollte man mal den Taschenrechner bemühen und sich fragen, ob das denn wirklich hauptberufliche, freiberufliche Journalisten sind oder ob es sich da um irgendwelche Nebenerwerbsspinner handelt die mit Dumpingpreisen Arbeitplätze vernichten, um den eigenen Namen in der Zeitung zu sehen.

Für 1000,-€ Monatsumsatz müßte ein Fotograf bei 4,-€ pro Bild vier Wochen lang, an jeweils 6 Wochentagen je 10-11 Bilder pro Tag im Blatt haben. Schonmal irgendwer so eine Tageszeitung gesehen? Schonmal jemand einen Fotografen gesehen, der von 1000,-€ Umsatz (sic!) im Monat irgendwie leben kann?

Für 1000,- €  Umsatz müßte eine schreibender Journalist bei 10 Cent Zeilenhonorar und vier Wochen mit je 6 Erscheinungstagen pro Tag 417 Zeilen im Blatt haben. Auch das sieht man wohl eher selten.

Also sollte man sich bei ver.di lieber mal selbst Gedanken statt anderen Mut machen.

Nicht zuletzt darf man auch nicht übersehen, daß wenn eine Gewerkschaft solche Fälle derart unreflektiert in den Raum stellt, ja irgendwo der Eindruck erweckt wird, daß 10,-€ pro Bild dann ja schon fast ein faires Honorar sein müssen, wenn andere von 40% leben zu können scheinen!

Zum weiterlesen:

“If you sell yourself cheap, you will never get out of that hole.” – Barbara Bordnick

https://rheker.wordpress.com/2008/12/08/umsonst-oder-kostenlos/

https://rheker.wordpress.com/2008/12/11/noch-mehr-fur-noch-weniger-umsonst-oder-kostenlos-teil-2/

https://rheker.wordpress.com/2008/12/26/drauflegen-umsonst-oder-kostenlos-teil-3/

https://rheker.wordpress.com/2009/11/13/umsonst-oder-kostenlos-teil4/

https://rheker.wordpress.com/2009/11/25/fotohonorare-verstehen-umsonst-oder-kostenlos-teil5/

https://rheker.wordpress.com/2009/12/11/feilschen-verhandeln-nein-sagen-umsonst-oder-kostenlos-teil-6/

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Warum Berufsfotografen nicht kostenlos arbeiten können…

… und Amateure es in vielen Fällen eigentlich auch nicht tun sollten, wenn sie bei Verstand sind. 

 

Das ist jetzt nicht wirklich neu, aber leider immernoch aktuell, weswegen ich das nochmal aus den Tiefen des Archivs habe holen lassen…

 

http://freelens.com/markt/warum-fotografen-nicht-umsonst-arbeiten-koennen

So nett das auch geschrieben ist, in der Sache geht es um knallharte Probleme! Da sollen Fotografen über den Tisch gezogen werden und das mag wohl weder der Berufsfotograf noch der Amateur.

 

 

Warum Berufsfotografen nicht kostenlos arbeiten können

Lieber potentieller Fotokäufer,

vermutlich sind Sie auf diese Seite weitergeleitet worden, weil Sie um die kostenlose oder sehr günstige Nutzung eines oder mehrerer Bilder gebeten haben.

Wir Berufsfotografen erhalten regelmäßig Anfragen nach kostenlosen Bildern. Im Idealfall wäre jeder von uns gern in der Lage, positiv auf solche Anfragen zu reagieren und zu helfen. Ganz besonders, wenn es um Projekte oder Bemühungen für die Bildung, soziale Themen und den Umweltschutz geht. In vielen Fällen wären wir froh, wenn wir die Zeit und die Ressourcen hätten, um mit mehr als nur dem Bereitstellen von Fotos zu helfen.

Leider ist es im praktischen Leben so, dass wir häufig nicht in der Lage sind zu reagieren, oder wenn wir es tun, dann sind unsere Antworten kurz und legen unsere Gründe für eine ablehnende Antwort nicht verständlich genug dar.

Die Umstände sind jedes Mal anders, doch wir haben festgestellt, dass es eine Reihe von Themen gibt, die immer wieder auftauchen. Auf diese gehen wir im Folgenden näher ein, damit Sie unsere Gründe besser nachvollziehen können, Missverständnisse möglichst vermieden werden und kein Groll entsteht.

Wir bitten Sie, die folgenden Ausführungen so positiv aufzufassen, wie sie gemeint sind. Wir hoffen sehr, dass wir noch einmal ins Gespräch kommen und eine für beide Seiten nutzbringende Geschäftsbeziehung aufbauen können, wenn Sie die Ausführungen erst einmal gelesen haben.


Wir leben von unseren Fotos

Wir leben davon, dass wir eindrucksvolle Bilder machen. Wenn wir unsere Bilder nun kostenlos abgeben oder zu viel Zeit für die Beantwortung von Anfragen nach kostenlosen Bildern aufwenden, können wir unseren Lebensunterhalt nicht bestreiten.
Wir unterstützen die gute Sache durchaus mit unseren Bildern

Die meisten von uns leisten mit Fotos, mal mehr und mal weniger, einen Beitrag, um bestimmte Projekte zu unterstützen. Oftmals beteiligen wir uns direkt an den Projekten, die wir mit unseren Bildern unterstützen, oder es besteht bereits eine persönliche Verbindung zu Menschen, die bei den betreffenden Projekten eine wichtige Rolle spielen. Das heißt, jede/r von uns kann sich gelegentlich bei einer Auswahl von Projekten mit der Bereitstellung von kostenlosen Bildern beteiligen und tut das auch.


Unsere Zeit ist knapp

Der Schritt von der selektiven Unterstützung hin zur Zusage bei jeder Anfrage nach kostenlosen Fotos ist jedoch nicht praktizierbar, nicht zuletzt wegen des Zeitaufwandes, der mit der Beantwortung von Anfragen, der wechselseitigen Korrespondenz, dem Erstellen und Versenden von Dateien verbunden ist, und damit, herauszufinden, wie unsere Fotos eingesetzt und welche Ziele damit gegebenenfalls erreicht wurden. Die Beantwortung von Anfragen nimmt viel Zeit in Anspruch, und unser aller Zeit ist knapp.


Begründungen wie „Wir haben kein Geld“ sind oftmals schwer nachzuvollziehen

Der Hauptgrund, der bei fast allen Anfragen nach kostenlosen Fotos angegeben wird, ist ein knappes Budget, d.h. der Bittsteller beruft sich darauf, es sei kein Geld vorhanden.

Solche Anfragen kommen häufig von Organisationen, die über beträchtliche liquide Mittel verfügen, seien es börsennotierte Unternehmen, staatliche oder halbstaatliche Stellen oder gar Nichtregierungsorganisationen. Schaut man sich den Jahresabschluss oder ähnliche Dokumente zur Offenlegung der Finanzen an, stellt sich oftmals heraus, dass die betreffende Organisation oder das Unternehmen Zugang zu beträchtlichen Finanzmitteln hat, die durchaus ausreichen würden, um Fotografen ein angemessenes Honorar zu zahlen, wenn man nur wollte.

Zu allem Übel sind es offenbar häufig nur die Fotografen, die von allen an einem Projekt oder einer bestimmten Aktion Beteiligten gebeten werden, ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Alle anderen werden bezahlt.

Nach Erwägung derartiger Dinge können Sie vielleicht verstehen, dass wir uns häufig zurückgesetzt fühlen, wenn man uns sagt: „Wir haben kein Geld.“ Solche Behauptungen wirken schnell wie eine fiese Masche, mit der leichtgläubige Menschen ausgenutzt werden sollen.


Wir unterliegen echten finanziellen Zwängen

Der Beruf des Fotografen ist mit einigen Ausnahmen nicht besonders einträglich. Meist haben wir diesen Weg wegen unserer Leidenschaft für die visuelle Kommunikation, die bildenden Künste und die Themen auf die wir uns spezialisieren, gewählt.

Der beträchtliche Anstieg an über das Internet verfügbaren Fotos in den letzten Jahren, gekoppelt mit den kleineren Budgets vieler Fotokäufer, bedeutet für unser ohnehin schon dürftiges Einkommen eine zusätzliche Belastung.

Darüber hinaus erfordert der Beruf des Fotografen eine erhebliche finanzielle Investition.

Unser Beruf ist von Natur aus ausstattungsintensiv. Wir müssen regelmäßig Kameras, Objektive, Computer, Software, Speichermedien usw. kaufen. Es gehen Teile kaputt und müssen repariert werden. Wir benötigen ein Back-up all unserer Daten, da eine falsch abgestellte Kaffeetasse buchstäblich die Arbeit von Jahren zunichtemachen kann. Wir alle geben im Jahr Tausende von Euros für essentielle Hardware und Software aus, da wir auf dem neuesten Stand der Technik bleiben müssen.

Darüber hinaus verbringen viele von uns einen Großteil ihrer Arbeitszeit für Fotoprojekte auf Reisen und haben hohe Reisekosten.

Und dann, und das ist vielleicht am Wichtigsten, sind da natürlich die nicht unerheblichen Kosten, die wir für die Zeit unserer Ausbildung aufbringen mussten, sowie die persönlichen Risiken, die wir oftmals eingehen müssen. Für einen Schnappschuss muss nur auf den Auslöser gedrückt werden, doch die Herstellung von künstlerischen Bildern erfordert Begabung, Erfahrung und Fachwissen.

Unter dem Strich ist es also so, dass wir durchaus Verständnis für schmale Budgets haben, wir es uns aber aus praktischer Sicht nicht leisten können, jeden, der uns fragt, zu unterstützen.


Eine namentliche Nennung bringt nicht viel

Häufig bietet man uns bei Anfragen nach kostenlosen Fotos aufgrund knapper Mittel als Gegenleistung anstelle einer wirtschaftlichen Bezahlung an, unser Ansehen zu erhöhen oder Werbung für uns zu machen, sei es mittels eines Wasserzeichens auf den Bildern, eines Links oder sogar durch eine besondere Erwähnung des jeweiligen Fotografen oder der Fotografin.

Da gibt es zwei Knackpunkte.

Erstens ist eine namentliche Nennung keine Gegenleistung. Schließlich haben wir die Bilder erstellt. Wenn sie also mit unserem Namen verbunden werden, so ist das eine Selbstverständlichkeit und nichts, von dem wir uns erhoffen, dass es uns freundlicherweise gewährt wird.

Zweitens können wir mit einer namentlichen Nennung keine Rechnungen bezahlen. Wir haben ja bereits darauf hingewiesen, dass wir hart arbeiten müssen, um das Geld zu verdienen, das wir benötigen, um wieder in unsere Fotoausrüstung zu investieren und die mit unserer Arbeit verbundenen Geschäftskosten abzudecken. Darüber hinaus benötigen wir genügend Einnahmen, um für unsere Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnen, Beförderungsmittel usw. aufkommen zu können.

Kurz gesagt, eine namentliche Nennung für ein Bild, das wir geschaffen haben, ist keine Gegenleistung und kann die Bezahlung dafür nicht ersetzen.


„Sie sind der einzige Fotograf, der kein Verständnis hat“

Wenn wir dann doch einmal Zeit haben, mit den Leuten und Organisationen zu korrespondieren, die kostenlos Fotos von uns haben wollen, bringt man uns manchmal aufgebrachte Vorwürfe entgegen. Es wird uns dann versichert, dass alle anderen Fotografen, die die Person oder das Unternehmen kontaktiert habe, mehr als erfreut gewesen seien, umsonst Fotos zur Verfügung zu stellen, und dass wir der einzige Fotograf seien, der kein Verständnis zeigt.

Wir wissen, dass das nicht stimmt

Wir wissen auch, dass sich kein vernünftiger und kompetenter Fotograf auf unzumutbare Bedingungen einlassen würde.

Wir gestehen ein, dass möglicherweise einige unerfahrene Fotografen oder einfach nur Menschen, die eine Kamera haben, tatsächlich umsonst arbeiten, doch auch hier gilt der Spruch „Qualität hat ihren Preis“.


Geben Sie bitte eine Rückmeldung

Eine andere Erfahrung, die wir alle schon gemacht haben, wenn wir Fotos kostenlos zur Verfügung gestellt haben, ist, dass wir keine Rückmeldung oder weiteren Informationen dazu erhalten, wie sich die Aktion oder das Projekt entwickelt haben, welche Ziele gegebenenfalls erreicht wurden und wofür unsere Fotos überhaupt gut waren.

Allzu häufig bekommen wir überhaupt keine Antwort auf E-Mails, die wir versenden, um etwas über den Verlauf von Aktionen oder Projekten zu erfahren, bis sich dann wieder jemand meldet, weil er kostenlos Fotos haben will.

Seien Sie also bitte so freundlich, uns zu informieren, wie die Sache gelaufen ist, wenn wir uns schon einmal bereit erklären, umsonst zu arbeiten. Ein bisschen mehr Wertschätzung trägt wesentlich dazu bei, dass wir in Zukunft weitere Bilder zur Verfügung stellen.


Zu guter Letzt

Wir hoffen, dass Sie nach der Lektüre der angeführten Argumente besser verstehen, warum der entsprechende unten genannte Fotograf Ihnen diesen Link geschickt hat. Wir alle sind Vollprofis und würden uns freuen, eine für beide Seiten nutzbringende Geschäftsbeziehung mit Ihnen einzugehen.

-.-

Text by Tony Wu – German Translation by Bärbel Schumann-Henke

Note to photographers: You can use the above text under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License. Please ensure that you include a link to this page.

Fotografenhonorare – Keine Ahnung aber tolle Ideen…

Eines unserer größte Probleme ist, daß viel zuviele Leute meinen, uns erklären zu können, wie der wirtschaftliche Teil unseres Berufs funktioniert.

 

Und übrigens ist der Link um den es da geht einer zu focus.de wo genau die Bilder von Kai genutzt werden, die mancher nun für unverkäuflich hält…

http://www.focus.de/sport/mehrsport/david-storl-bedankt-sich-mit-einladung-zum-bier-fotograf-sichert-deutschland-die-dritte-goldmedaille_aid_1074105.html

„ich glaub da denkst du falsch“ (Umsonst oder kostenlos Teil 9)

Der folgende Text sollte vor allem all jene Menschen, die sich für Profifotografen halten oder das werden wollen und die so einen Scheiß mitmachen mal zu nachdenken anregen.

Kurze Vorgeschichte:

Ich war für einen anderen Kunden in einem Museum unterwegs, in dem im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung ein, nennen wir es mal Künstler, damit es anonym bleibt, auftrat.

Da man sich ja kennt und Museum und mein Kunde sich auch lieb haben und die Kamera des Museum irgendwie nicht greifbar war, habe ich dem Museum ein paar Bilder geschickt und für die Nutzung als Dokumentation „geschenkt“.

Nun fragte dann wohl die Agentur des Künstlers beim Museum wegen Bildern an und man hat die dann an mich verwiesen, weil man ja selbst keine Bilder hat. Darauf habe ich der Agentur geantwortete, daß eine kommerzielle Nutzung meiner Arbeit natürlich kostenpflichtig wäre.

Die Antwort war dann dieses wunderbare Stück „Fotografen müssen doch alle Idioten sein“-Prosa:

Servus Sascha.
ich glaub da denkst du falsch.

ich BIN natürlich die Agentur des *******, und das ist natürlich, wenn du es so nennen willst, „kommerziell.
Würde ja auch albern sein, wenn das nur Hobby wäre….;-))

Aber eine „kommerzielle“ Nutzung der Fotos habe ich nicht vor. Ich hab mit meinen Kunden im Vertrag stehen, dass ich Fotos von Event/Engagement immer rechte- und honorarfrei zur Verfügung gestellt bekomme.

Diese Fotos nutze ich nur intern als Referenzfotos, um anderen Kunden immer ganz aktuelle Fotos meiner ****** zu zeigen.
Und wenn die toll sind, dann stelle ich die auch öffentlich auf meine Webseite (natürlich mit Nennung des Fotografen, wenn ich nicht die Rechte an den Fotos habe). Aber das sehe ich auch nicht als „kommerzielle“ Nutzung an, das wäre nur, wenn ich solche Fotos verkaufen würde. Aber sowas mache ich nicht, dafür bin ich zu sehr Profi und das seit 30 Jahren.

Aber für DICH wäre das auch nicht uninteressant.
Daher wäre es schön, wenn du mit ein paar der schönsten Fotos rechte- und honorarfrei zur Verfügung stellen würdest. 

Ich kopiere dann in jedes Foto unten klein deinen Namen mit rein. Und da meine Seite millionenfach pro Jahr angeklickt
wird, ist das sicherlich für dich auch von Nutzen.

Gruß *****

Also fassen wir es mal zusammen:

– Fotografen mit denen man noch nie zu tun hatte kann man duzen, wie die anderen Dienstboten auch

– Am besten beginnt man solche Texte indem man dem anderen mitteilt, daß man ihn für doof hält: „ich glaub da denkst du falsch.“

– Er ist Vollprofi, seit 30 Jahren im Geschäft

– Es wäre albern, wenn er umsonst arbeitet, bei mir dagegen völlig ok, ja selbstverständlich

– Für Bilder muß man nur zahlen, wenn man sie weiterverkauft

– Wenn man keine Nutzungsrechte für Bilder hat, kann man sie trotzdem nutzen, wenn man den Fotografennamen dranschreibt

– Er kann mit Dritten, ohne mein Wissen, Verträge über die Nutzung meiner Arbeit schließen

– Wenn er, der nie was für Fotos zahlt, meinen Namen auf seine Website setzt, dann nutzt mir das was

Das wirklich schlimme an der Geschichte ist aber:

Irgendwo muß es ja Vollpfosten mit Kamera geben, die sowas mitmachen. Wie sollte der sonst zu seinen 30 Jahren Vollprofierfahrung kommen?

Die MFM-Liste (Umsonst oder kostenlos Teil 7)

Die sogenannte MFM-Liste ist ein Katalog mit Honorarempfehlungen, herausgegeben von und zu beziehen bei der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing. (Es gibt wohl Auszüge der Liste über irgendein Webarchiv auf alten Seiten von Hamburg-Dia (oder so), diese Preise sind aber nicht mehr up to date.) Die Preise orientieren sich nach Art der Nutzung (Medium), Nutzungsdauer, Druckgröße, Auflage etc.

Da steht dann z.B. zu lesen, daß ein Foto in einer Tageszeitung mindestens 45,- € kosten sollte und so weiter und so fort.

Diese Liste ist ein guter Ausgangs- und Orientierungspunkt für Preisfindung und Preisverhandlungen. Wenn nicht unzählige Fotografen im Glauben leben würden, daß es Preise eh nur 50% unter der MFM-Liste geben kann, darf, sollte. Und daß die MFM-Listen-Preise „Mondpreise“ seien, wird an allen Orten gerne und häufig von Fotografen propagiert und gerne wird noch darauf verwiesen, daß das etwas sei, das jeder wisse, der sich auskennt.

Aha!

Jeder der sich wirklich auskennt weiß, daß die MFM eine Grundlage ist von der aus man sich in beide Richtungen bewegen kann.

Auch wenn sich zahllose Fotografen, immerzu gegenseitig versichern, daß man niemals nicht ein Honorar in der Nähe der MFM-Preise bekommen könne und man unbedingt gleich von sich aus deutlich weniger fordern solle, müsse, dürfe… (das natürlich vorzugsweise in einem weinerlichen Ton, so als wüßte man nicht wer da nun eigentlich Schuld dran sei).

Das ganze ist nur ein weiteres schönes Beispiel, wie sich Fotografen völlig sinnlos selbst gegenseitig eine Preisspirale nach unten basteln, ohne, daß irgendein Kunde jemals feilschen mußte.

Und, daß noch kein Kunde, dem der Fotograf von sich aus einen Nachlaß angeboten hat „Nein, ich will mehr bezahlen als sie haben wollen!“ gesagt hat und daß viele Kunden nach Jahren der freiwilligen Nachlässe durch Fotografen irgendwie denken, daß die MFM-Preise Mondpreise sein müssen, weil das ja noch nie einer gefordert hat; das ist natürlich der ultimative Beweis, daß die MFM-Preise wirklich zu hoch angesetzt sind und man besser mal drüber nachdenken sollte, ob man nicht statt mit 50%-MFM gleich mit 30% anbietet.

Fotografen brauchen garkeine bösen Monsterkapitalismus-Kunden, die sie ausbeuten würden. Das erledigen die Dümmeren unter den Fotografen gleich selbst mit, aber natürlich nicht, ohne sich dabei noch irgendwie besonders clever zu fühlen oder ersatzweise auf irgendwen zu schimpfen, der Schuld dran hat.

Feilschen, Verhandeln, „Nein“-Sagen (Umsonst oder kostenlos Teil 6)

Man muß heute zum Glück nicht immer und überall feilschen so wie im „Leben des Brian“ (Video am Ende des Textes). Es ist schon ganz gut, daß der Joghurt im Supermarkt 39 Cent kostet, der Preis auf dem Regal steht und man an der Kasse ohne Diskussionen schnell und unkompliziert 39 Cent bezahlen kann. Wegen allem zu feilschen oder zu verhandeln wäre nervig; auch wenn mal nicht die halbe Jerusalemer Garnison der Römischen Armee hinter einem her ist.

Daraus zu schließen, daß es wenn ein Kunde ein Angebot für eine Nutzung oder einen Auftrag macht genauso laufen sollte wie bei Joghurtkauf im Supermarkt, wäre dumm. Das fängt schon an dem Punkt an, daß es etwas anderes ist, ob ein Kunde ein Bild anfragt und einen Preis und Nutzungsbedingungen vorschlägt oder ob ein Fotograf einen Preis für seine Arbeit festlegt, wie es der Supermarkt macht.

Würden 10 Fotografen und 10 Normalbürger im Supermarkt stehen und ein anderer Kunde würde den Supermarkt betreten und dem Marktleiter zurufen: „Ich will einen Joghurt! Dafür zahle ich aber nur 19 statt 39 Cent, erwarte aber, daß ich mir dafür aber in Zukunft für mich und meine Freunde umsonst soviele Joghurts holen kann wie ich will!“, dann würden die meisten Menschen im Supermarkt sagen, „Der Typ spinnt und der Marktleiter wäre bescheuert, wenn er darauf eingeht!“. Aber mindestens zwei der Fotografen würden ängstlich schauen und denken: „Oh Gott, wenn der Marktleiter jetzt ’nein‘ sagt, dann bekommt er von dem Mann kein Geld und der holt sich seine Joghurts und alle anderen Lebensmittel in Zukunft woanders! Dann geht der Supermarkt pleite und der Marktleiter und seine Kinder müssen alle verhungern!“

Der Marktleiter wird das nicht tun und das (abgesehen davon daß die meisten Supermarktleiter sowas heute nicht mehr entscheiden dürfen) aus drei Gründen: Erstens würde er draufzahlen, das wäre dumm, es sei denn man glaubt an „Wir machen bei jedem Auftrag miese, holen das aber wieder rein, weil wir wegen unserer günstigen Preise viel mehr Aufträge haben als die Konkurrenz“. Zweitens würde er damit rechnen müssen, daß die anderen Kunden dann auch diese Preise wollen und sein Geschäft völlig zusammenbricht, selbst, wenn er diesen Wahnsinnspreis einmalig kompesnieren könnte. Und drittens und vor allem: weiß er, daß der andere zwar Geld aber eben auch Hunger hat.

Genauso ist es, wenn ein Kunde ein Bild und einen Nutzungsumfang (ob ein Preis angemessen ist hängt immer auch ganz entscheidend am Umfang der eingeräumten Nutzungsrechte!) anfragt und dafür einen Preis vorschlägt/anbietet. Der Kunde macht das nicht, weil er dem Fotografen ein Almosen zukommen lassen will, sondern, weil der Fotograf etwas hat, was der andere haben will. Dass der Kunde versucht für sich das beste rauszuholen ist (in gewissen Grenzen) legitim, aber das ganze ist verhandelbar. Märkte funktionieren als eine Balance aus Angebot und Nachfrage und nicht über das Preisdiktat des Kunden. Diese Balance wird verhandelt.

So wie der Kunde auch keine Angst davor hat, daß der Fotograf bei einem miesen Angebot „nein“ sagt und sich auf ein besseres Angebot garnicht mehr einläßt, so sollte auch der Fotograf keine Angst haben nachzuverhandeln, einen Gegenvorschlag zu machen oder eben „nein“ zu sagen.

Zu dem Thema gibt es auch hier noch ein tolles Video mit Fotografeninterviews:

“If you sell yourself cheap, you will never get out of that hole.” – Barbara Bordnick

Ein ganz interessantes Statement ist die Aussage von Chase Jarvis, daß man seine Preise nicht ohne einen Grund erhöhen oder senken kann. Denn das führt beim Gegenüber zu dem Eindruck, daß die Preise nicht kalkuliert, sondern beliebig sind. Wenn mich eine Fluggesellschaft mit dem gleichen Essen an Bord, im selben Flugzeugmodell für 500 € von Frankfurt nach Berlin aber für 200€ nach Athen fliegt und der Flieger nach Berlin noch schlechter ausgelastet ist, dann habe ich eher das Gefühl auf dem Flug nach Berlin abgezockt worden zu sein, als auf dem Flug nach Athen was gespart zu haben.

Wenn der Fotograf einem Kunden erklärt, daß eine Leistung 500 € kostet, der Kunde sagt, er habe nur 200 € und der Fotograf sagt „ja machen wir“ und nicht „bei 200 € müssen wir aber folgenden Abstriche machen“, dann wird der Kunde das als unseriös empfinden und beim Kunden bleibt vor allem hängen: „Der Sack hat gerade versucht mir 300 € für nix abzuknöpfen!“

Verhandeln und feilschen hat also – wenn man es richtig macht und dem Kunden erklärt, was warum wieviel kostet und was für welche Summe zu haben ist – weniger etwas mit windigen Händlern mit einer im sterben liegenden Großmutter, wie im Leben des Brian, zu tun, sondern ist eher ein Zeichen von Transparenz und einem partnerschaftlichen Umgang zwischen Fotograf und Kunde.