Die neue Google Bildersuche

Die neue Google Bildersuche ermöglich es, jedes Fotos, das man irgendwo im Netz findet, bei Facebook und andernorts einfach durch klicken auf einen „Teilen“-Button zu nutzen. Dabei wird die Datei vom Server des Fundortes bei Facebook etc. eingebunden. Und auch in der Google-Bildersuche direkt wird das Bild in voller Auflösung gezeigt und ist da direkt der Rechtsklick speicherbar. Das nennt man deep link oder framing.

Das wirkliche Problem ist aber, daß es derzeit nach gängiger und höchstrichterlicher Rechtssprechung legal ist, Bilder einfach so zu nutzen, solange man „den Serverspeicherplatz und den Traffic gleich mit klaut“ indem man die Datei nicht selbst hostet sondern sich der Datei auf dem Server des Opfers bedient.

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Anwaltsschreiben

Irgendwie ist es heutzutage nahezu unmöglich einen Urheberrechtsverstoß außergerichtlich (und damit kostengünstig für den Verletzer) beizulegen.

Auf das niederschwellige Anschreiben mit Rechnung wird garnicht reagiert, kommt dann die Abmahnung über den Anwalt, läßt man auch hier gerne, als besonderes Zeichen des Respekts, die Frist verstreichen, bittet sich eine Nachfrist aus und antwortet dann nach dieser.

Das was dann als sachliche Erwiderung von so manchem Anwalt kommt beeindruckt durch die friedliche Koexistenz von ausufernder Arroganz mit der Abwesenheit jeglichen Wissens um alles was mit Urheberrechten zu tun hat.

Mal wir konstatiert Fotoagenturen seien illegale Inkassounternehmen, mal wird einem anempfohlen im Rahmen einer imaginierten „weihnachtlichen Friedenspflicht“ die ganze Sache einfach auf sich beruhen zu lassen und die eigene Forderung einem „weihnachtlichen Gabensack“ anzuvertrauen.

Heute kam dann die nächste Höchstleistung eines gegnerischen Anwaltes (Fachanwalt für Straftrecht) in einer Urheberrechtssache.

Er ist der lustigen Meinung ich müßte jetzt erstmal ein Schreiben des Kunden, bei dem sein Mandant (eine Art regionaler Zweckverband) das Bild geklaut hat, vorlegen, in dem deren Rechtsabteilung bestätigt, daß ich überhaupt Nutzungsrechte an dem Bild habe.
„Nach unseren Informationen ist Ihr Mandat aber nicht mehr der Rechteinhaber an diesem Foto (…) sondern die „Zeitung XYZ“, in der das Foto von ihrem Mandanten zuerst veröffentlicht wurde.“
Rechtsgrundlage für die super Idee, daß ich keinerlei Rechte an dem Bild habe, sind für ihn die AGB meines Kunden „Zeitung XYZ“.
Und um die Stimmung hier endgültig an die Decke zu bringen führt er noch aus, daß der von der „Zeitung XYZ“ am Bild angebrachte Urhebernachweis (Foto: Sascha Rheker) nichts bedeute:
„Auch der Zusatz im Untertitel des Bildes mit dem Namen ihren Mandanten in der „Zeitung XYZ“ bedeutet rechtlich nicht den Nachweis der Rechte an dem Bild.“
Als Strafrechtler wirbt er sicher mit „Gefängnisse voller zufriedener Mandanten beweisen meinen Erfolg!“

Das ist ja auch Werbung für mich…

Mal ein kleiner Einblick in den Alltag eines Urhebers und den „Das ist doch auch Werbung für Dich“-Kosmos. (Danke Ralph Ruthe!)

Sehr geehrter Herr Kollege Rheker.

Anscheinend haben Sie übersehen oder bewusst nicht reagiert auf mein Schreiben vom 18.10.14., dass Sie sich auf meiner HP bisher haben kostenlos bewerben lassen. Da Sie ja keine Skrupel kennen, auch gegenüber Kollegen nicht und Sie alle guten Sitten über Bord werfen, muss ich Ihnen hiermit eine Rechnung stellen, für die Werbung auf meiner HP.“

Die Werbung sieht dann so aus, daß man da auf einer redaktionellen Website Fotos von mir einfach benutzt hat, um einen Text zu illustrieren und man bei einem Teil der Bilder meinen Namen drangeschrieben hat (die Bilder waren offenkundig von der Website der Frankfurter Rundschau geklaut):

Bildschirmfoto 2014-10-08 um 13.23.27

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die meinen, daß jeder der sich Journalist nennt auch gleich mein Kollege ist und schon garnicht denke ich, daß jeder, der sich Journalist nennt aus „Kollegialität“ meine Fotos umsonst auf seiner Website benutzen darf. Erst recht nicht, wenn es eine kommerzielle Seite ist auf der jemand sich selbst mit diesem bunten Strauß an Leistungen anbietet:

 – Themenrecherche
– Schreiben
– Redigieren
– Exklusivberichte
– Fotos
– Buchautor
– Referate
– Vorträge
– Moderationen
– Schulungen
– Lesungen
– Beratungen
– Tester für Handel-Banken
– Testberichte für Pkws
– Chauffeurdienste
– Hotel- und Restaurantkritiker

Von den Journalisten, bei denen ich stolz bin, sie Kollege zu nennen oder von ihnen als Kollege bezeichnet zu werden, wüßte ich auch nicht einen, der der Ansicht wäre, daß ich es nicht wert wäre für meine Arbeit bezahlt zu werden.

Darum schreibe ich in solchen Fällen eine Rechnung, wenn das nichts fruchtet, dann geht das an den Anwalt. Fertig.

Heute bekamen ich und das zuständige Gericht Post. (Mal wieder.) Dem Gericht wird da erklärt, daß es nicht gegen den Beklagten verhandeln dürfe, bevor ich als Kläger nicht erstmal zwei Rechnungen (eine davon über 6480,- € für die Werbung, die er durch die Nutzung meiner Bilder auf seiner Website für mich gemacht habe, und eine über 167.200,- wegen einer angeblichen schweren Körperverletzung durch die Klage) begleichen würde, zudem hätte ich wohl am 17.01. zur irgendeiner Demo in Berlin fahren und den Beklagten da suchen müssen; meint er jedenfalls.

„Herr Rheker hat des Weiteren bereits zwei Rechnungen erhalten, die er erst einmal zu erfüllen hat, bevor er auf andere losgeht. (Anlage 1+2) Als bekannter Fotoreporter hätte er ja die Gunst der Stunde nutzen können und mich am Rande der Demo, „Wir haben es satt’4, am 17.1.15 in Berlin zu treffen und endlich einmal darüber zu reden, was wirklich Sache ist. Man lässt wohl lieber Briefe schreiben und regt sich völlig unbegründet darin auf. Es deckt sich aber mit einigen Informationen, die inzwischen recherchiert wurden.“ (aus dem Anschreiben an das zuständige Landgericht)

Zudem wird jetzt gegen mich und meine Anwältin öffentlich auf seiner Website „recherchiert“. Und ich bekomme täglich einen Brief.

Bildschirmfoto 2015-01-20 um 19.16.03
Ach ja, die ganze Familie behält sich auch irgendwelche weiteren Schritte gegen mich vor und das Geld geht bitte mildtätig an die katholische Kirche. Das ist recht beliebt, wenn man doch irgendwie ahnt, daß das was man da betreibt nicht ganz koscher ist, jenseits 120.000,- € die man einem anderen für die Mutter Kirche abpresst, drückt Gott wohl ein Auge zu.

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In der Rechnung über 167.200,- € Schadenersatz  (dankenswerter Weise „ohne Umsatzsteuer, da Privatrechnung nach UCC) wird zudem deutlich gemacht, daß ich wohl auch irgendwie etwas im Bereich der Seerettung (maritime recovery“) so massiv falsch gemacht haben muß, daß sich der Schadenersatzanspruch gleich nochmal vervierfacht. Das ganze geht an den Vatikan, dem die Ansprüche dann wohl auch gleich abgetreten werden und der Gerichtsstand verschiebt sich in die Schweiz, vielleicht wegen der Schweizer Garde oder der Löcher im Käse.

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Rechnungen die automatisch gültig werden, wenn der andere nicht innerhalb von fünf Tagen einen wie auch immer gearteten „rechtsverwertbaren Nachweis nach internationalem Recht“ erbringt, ganz ohne irgendeine Grundlage oder Zustimmung des angeblichen Vertragspartners. Cool! Das ist die Geburt des einseitig ausgesprochenen wirksamen Vertrages.

Es ist verwunderlich, daß die Nigeria-Connection da noch nicht drauf gekommen ist. Die würden da sicher 167.200,- € für zahlen.

Die Urheberrechts Porno-Posse des LG Köln

Das Landgericht Köln hat Abmahnanwälten Zugang zu den Namen und Adressen tausender Internetnutzer  gewährt, die sich auf einem Internetportal Pornovideos angeschaut haben sollen. Die betroffenen Nutzer wurden dann von Anwaltskanzleien abgemahnt.

Klar, da kann man sagen, „Selber Schuld, wenn man in der Schmuddelecke des www unterwegs ist.“

Was hier aber passiert ist, daß das reine Abrufen/Betrachten von Inhalten im Netz zu einer strafbaren Handlung umgedeutet wird. Ein abenteuerlicher Vorgang!

Denn der Nutzer kann überhaupt nicht feststellen, ob ein Seitenbetreiber ein urheberrechtlich geschütztes Werk unberechtigt nutzt oder nicht.

Wenn man in diesem Fall der Logik der Abmahnanwälte folgt, was das Landgericht Köln getan hat, dann könnte ich als Fotograf demnächst nicht nur gegen jemanden der eines meiner Bilder einfach so auf seiner Website benutzt vorgehen, sondern auch alle, die es sich da angesehen haben abkassieren.

Und wenn eine Zeitung das nächste Mal nach einem Amoklauf ein Foto vom Facebook-Profil des Täters nimmt und druckt, dann zwingt das LG Köln die Zeitung zr Herausgabe der Kundendatei und es zahlt auch jeder Abonnent der Zeitung 250,- €?

Es ist erschreckend, daß Richter solche Entscheidungen treffen, ganz offensichtlich, ohne den Sachverhalt auch nur im Ansatz verstanden zu haben.

Natürlich ist das Gericht kaum für die Kosten die den zu unrecht Abgemahnten jetzt zur Abwehr der Abmahnung entstehen schadenersatzpflichtig. Besser wäre das aber, denn dann würde man solche Sachen auch ordentlich prüfen.

Und solche Vorgänge schaden auch immer uns kleinen Urhebern, die wir gegen die unberechtigte Nutzung unserer Werke vorgehen, um unser Geschäftsmodel zu schützen statt die Abmahnung zum Geschäftsmodel erhoben zu haben.
http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article122752533/Moeglicher-Irrtum-im-Streit-um-Porno-Portal.html

Daniel Morel vs. Getty Images/AFP – Punitive Damages

Punitive Damages bzw. Strafschadenersatz würde ich mir für uns hier auch wünschen!

Direkt nach dem Erdbeben in Haiti stellte der Fotograf Daniel Morel acht Bilder in seinen Twitter-Account. Ein anderer Nutzer teilte diese Bilder und am Ende landeten die Fotos im Dienst der AFP und deren Partneragentur Getty und wurden weltweit gedruckt.

Morel wurde diese Woche die maximal mögliche Schadenersatzsumme von 1,2 Mio.$ zugesprochen. Eine sehr gute Zusammenfassung des Prozessverlaufs findet sich hier:

bigmasthead
http://www.epuk.org/News/1045/follow-the-daniel-morel-vs-afp-and-getty-images-trial-with-epuks-daily-reports

1,2 Mio. $ das klingt nach sehr viel Geld und mancher wird sagen, daß das wohl kaum angemessen sei für acht Bilder, wenn man nicht sogar gleich in den Chor derer einstimmt, die reflexmäßig was von Abmahnabzocke rufen. Wenn wir in Deutschland Berichte über Schadenersatzsummen aus US-Gerichtsverfahren hören, dann erscheint uns das oft abgehoben, wenn nicht gar existenzbedrohend für den Verklagten, unfair, maßlos und exzessiv.

Das US-Recht kennt den so genannten Strafschadensersatz (punitive damages), wogegen bei uns auf den tatsächlich entstandenen Schaden abgestellt wird. Der Strafschadenersatz geht über den bloßen Ersatz des Schadens hinaus und soll über den Aspekt der Strafe eine abschreckende Wirkung auf den Täter und die Allgemeinheit, um eine Wiederholung zu unterbinden, wie auch auf die Allgemeinheit, um klar zu machen, daß eine bestimmte Handlung nicht geduldet wird und sie sich auch nicht lohnt. Im konkreten Fall liegt die hohe Schadenersatzsumme, das maximal Mögliche, auch daran, daß die Beklagten es durch ihre Auftritte und das Beweismaterial geschafft haben, sich den Unmut der Jury zu verdienen.

Damit ist der Strafschadenersatz eine Möglichkeit für das Gericht die unrechtmäßige Nutzung von Bildern unwirtschaftlich zu machen, denn die Summe von 1,2 Mio $ tut auch großen Agenturen oder Verlagen weh. Die Summen die in solchen Fällen von deutschen Gerichten verhängt werden befinden sich im Gegensatz dazu auf einem Niveau, das es in vielen Fällen wirtschaftlich vernünftig erscheinen läßt, das Risiko einzugehen. Ganz abgesehen davon, daß man in der Kalkulation auch schlicht mit darauf setzen kann, daß der Betroffenen Fotograf das oft nicht merkt oder er das Risiko eines Rechtsstreites scheuen könnte.

So gesehen ist das Urteil im Fall Morel auch ein Signal an Agenturen und Medien, daß auch nach einer Katastrophe wie dem Erdbeben in Haiti die Bilder der Menschen dort nicht zu Freiwild werden. Egal ob sie nur beruflich fotografieren wie Morel oder nicht.

 

Der DVF-Präsident und das Urheberrecht

Der Deutsche Verband (DVF) für Fotografie ist irgendwie eine Vereinigung, die Fotografie für einen Wettbewerbssport hält und wo man um Pokale, Medailllen und ähnliches kämpft. Das kann man erstmal mehr oder weniger sinnvoll finden.

Heute meldet Photoscala, daß nun just der Präsident dieses DVF,  Willy Borgfeldt, beim „13. Emscherbruch-Pokal“  einen dieser Preise gewonnen hat.

Bildschirmfoto 2013-10-04 um 23.06.13

Dummerweise scheint seine fotografische Leistung dabei darauf beschränkt zu sein, daß er ein Plakat der israelischen Gruppe „The Voca People“ und das darauf genutzte Foto von Leon Sokolozki reproduziert hat, die Farbe entfernt und am Hintergrund rumgefummelt hat. Und da das auch gleich das erste Bild ist, daß man bei einer Google Bildersuche nach dem Namen der Gruppe findet, ist das auch jemandem aufgefallen. Die künstlerische Schöpfungshöhe dürfte da gegen Null gehen, womit das ganze vor allem eine Urheberrechtsverletzung ist. Trotzdem wird das Bild weiter auf der Website dieses Pokals gezeigt!

Bildschirmfoto 2013-10-04 um 22.58.40

Laut dem Photoscala-Artikel ist Borgfeldt das Bild „durchgerutscht“ und alles nur ein Versehen, was die ganze Sache nur noch peinlicher macht.

Und gänzlich zur Farce wird das ganze, wenn man dann in den Kommentaren bei photoscala noch erfährt, daß Borgfeldt auch noch das Vorwort zu dem Buch „Recht für Fotografen“ von Wolfgang Rau geschrieben hat, in dem er ausführt „Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich viele Anregungen und großen Nutzen von diesem lehrreichen Buch! Willy Borgfeldt DVF-Präsident“

Nüchtern betrachtet opfert hier der Präsident eines Fotografie-Verbandes das Urheberrecht auf dem Altar der Eitelkeit.

P.S.: Mittlerweile wurde das Bild kommentarlos entfernt. Und auch auf anderen Seiten des DVF taucht jetzt ein anderer Gewinner auf…

Bildschirmfoto 2013-10-04 um 23.48.12

 

P.P.S: http://www.dvf-fotografie.de/news/news-anzeigen/article/dvf-praesident-legt-sein-amt-nieder.html

Willy Borgfeld hat heute (Samstag, 5.10.13) auf Bitten der übrigen Präsidiumsmitglieder des Deutschen Verbandes für Fotografie e.V. (DVF) mit sofortiger Wirkung sein Amt als Präsident des DVF niedergelegt.

Perfidere Bilderdiebe

Wer meint, Leute die Bilder einfach so nutzen sind schlimm, der kennt noch nicht die Fotografen, die anderer Fotografen Bilder als ihre ausgeben und damit Werbung für sich machen:

http://stopstealingphotos.tumblr.com

und auch noch nicht jene Zeitgenossen, die mit anderer Leute Bilder Fotowettbewerbe gewinnen:

http://imageandview.com/notes1/how-a-stolen-photo-became-a-contest-winner/

 

Das ist alles noch eine Nummer dreister und widerlicher als das, was man so gewohnt ist.