Verlorene Helden

Gänsehaut beim Lesen.

„Vor Opa Erwin, dem übellaunigen Kerl, hatten die Enkel fast ein bisschen Angst. Erst viele Jahre später wurde klar: Im Dritten Reich war er ein Held. Er sprach nur nie drüber.“

Wieviele solcher vermeintlich „dunkler Geheimnisse“ aus dem Dritten Reich, die eigentlich „weiße Heldengeschichten“ sind mögen verloren gegangen sein, weil es keine Dokumente gab, sondern das Wissen einfach starb.

Wieviele Kinder und Enkel mögen ihren Großeltern Unrecht getan haben, weil sie deren Schweigen nach dem ertragenen Unrecht nicht als Unfähigkeit darüber zu sprechen erkannt, sondern das schlicht missverstanden haben.

Wieviele Menschen mögen als vermeintliche Täter oder Mitläufer gestorben sein, ohne daß ein Nachfahre ihre tätowierte Häftlingsnummer gesehen hat?

Wieviel genauer könnte unser Geschichtsbild sein, wenn wir von alledem wüßten.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40669/1/1

Advertisements

Ethik

Der schweizer Fotograf Reto Camenisch geißelt in einem Interview Bilder von Jérôme Sessini als „eine Barbarei, die jede Grenze überschreitet“:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Ein-totaler-moralischer-Bankrott/story/11761719

Viele Kollegen geben Camenisch uneigeschränkt Recht.

Ich weiß es nicht. Ich habe aber das Gefühl, daß es sich Camenisch vielleicht etwas einfach macht.

Denn, das kann man auch anders sehen, und ich denke da zum Beispiel an Fabian Mohrs Text, der die Frage aufwirft, ob die Einstellung, daß man keine Leichen zeigen sollte, weil „das nichts zur Geschichte beiträgt“ richtig ist:

http://www.fabianmohr.de/2014/07/22/why-show-dead-people-in-the-news/

Da müssen wir uns dann schon fragen, ob es andersrum gedacht nicht etwas von der Geschichte wegnimmt, wenn man den Tod bei einem Ereignis wie dem Abschuß von MH 17 nur im Text (als Opferzahl?) schildert und es der Phantasie des Lesers überläßt sich da ein Bild zu machen? Ein Bild, das oft zur Verharmlosung neigt. Oder, wenn man mit Symbolen wie Bilder von Kinderspielzeug auf einen Acker arbeitet.

Was das auf Dauer bewirkt merkt man zum Beispiel am Umgang mit dem Tod aber vor allem mit Verletzten in unserer Gesellschaft und den Medien.

„Verletzung“ wird oft nur noch als „halb so schlimm“ gegenüber dem noch höher tabuisierten Tod begriffen und gerne aus der eigenen Erfahrung mit verstauchten Füßen und Schnittverletzungen bei der Küchenarbeit gedacht. Die Verletzten erscheinen oft als die „Glücklichen“, so als würden alle Wunden an Körpern und Seelen so schnell und vollständig heilen, wie die Öffentlichkeit das Ereignis vergißt.

Das macht z.B. die Bilder von Andrea Gjestvang zu Utøya so bedeutsam. Sie zeigen, daß Verletzung ein tieferer Einschnitt ins Leben ist, daß Heilung langsamer verläuft als der Leser, der nur einen Text hat das imaginiert, oder daß Heilung manchmal garnicht oder nicht vollständig erfolgt:

http://andreagjestvang.com/photography-2/one-day-in-history/

Sicher sind das auch Bilder, die viele Menschen „sich nicht zumuten“ wollen, wie Camenisch es formuliert.

Vielleicht sollte man erstmal die Bilder anschauen, um die es geht. Und ja, die sind hart. Aber das Ereignis, um das es da geht ist das eben auch.

Hier die veröffentlichten Bilder:

http://lightbox.time.com/2014/07/18/malaysia-airline-ukraine-crash-jerome-sessini/#1

http://www.magnumphotos.com/C.aspx?VP3=CMS3&VF=MAGO31_4&VBID=2K1HZOQ8FP3TIR&IID=2K1HRGBQZM17&PN=2

Und hier die Bilder im Magnum-Archiv :

http://www.magnumphotos.com/C.aspx?VP3=SearchResult&VBID=2K1HZOQP938383&SMLS=1&RW=1874&RH=1021

Wer da von „einer Barbarei, die jede Grenze überschreitet“ und einem „totalen moralischen Bankrott“ spricht also quasi einen Superlativ der Verwerflichkeit bemüht, der begeht den Kardinalsfehler, daß er die Bilder gleichsam auf eine Stufe mit dem Abschuß des Passagierflugzeuges, um den es geht, stellt.

Wobei der Umstand, daß Time z.B. nicht alle Bilder veröffentlicht und auch Magnum bei der Auswahl auf der Website da eine Auswahl getroffen hat, es schwierig macht, Sessini auch wegen der nicht veröffentlichen Motive so an den Pranger zu stellen, besonders, wenn man dann auch Christoph Bangerts „War Porn“ anführt und da kein Problem sieht, mit dem Argument: „Bangert ist ein verdienter Fotograf, und gegen sein Buch lässt sich nichts sagen, weil es einen ganz anderen Kontext für solche Bilder schafft: Es mutet sie einem nicht unvorbereitet zu.“

Magnums Archiv (und wenn er „Suchbegriff sagt, kann es nur ums Archiv gehen) sieht Camenisch dagegen als einen Ort an dem Menschen diese Bilder „unvorbereitet zugemutet werden“: „Es brauchte gar keine Presse, um Sessinis Bilder zu veröffentlichen. Dafür hat Mag­num gleich selber gesorgt: Auf der Website der Agentur kann sie sich jeder ansehen, der will – in guter Auflösung, ohne Passwort, mit einem einfachen Suchbegriff. Das ist schon ein Teil des Skandals.“

„Dieser Fall handelt davon, mit welchen Mitteln sich ein Fotograf und eine Agentur ins Gespräch bringen wollen.“ ist ein Vorwurf, für den ich schon mehr als Belege/Argumente bräuchte, daß die Agentur drastische Bilder im Archiv hat.

„Die Gründer wollten einen ethisch hochwertigen, einen humanistischen Bildjournalismus. Davon scheint nichts mehr übrig geblieben zu sein. Hier geht es nur noch um fotografische Eitelkeit, visuelle Dezibelstärken, medialen Opportunismus.“

Das führt zu einer weiteren Frage die Fabian Mohr aufgeworfen hat: „Take a minute and watch a few iconic photographs that have been published in the 20th century. Ask yourself – would they (or similar subjects) appear on a 2014 newspaper front page, on a quality news website or on TV evening news?“

Ist dieses Bild ähnlich unmoralisch?:http://mediastore.magnumphotos.com/CoreXDoc/MAG/Media/TR2/4/5/6/9/PAR126778.jpg

Halten wir nicht viele dieser Bilder heute für humanistische Statements? Oder handelt es sich auch dabei um „fotografische Eitelkeit, visuelle Dezibelstärken, medialen Opportunismus“?

Wenn Camenisch auf den Einwand des Interviewers, Bangert habe gesagt, unmoralisch sei nicht das Zeigen sondern das Wegsehen, entgegnet: „Es ist überhaupt nicht unmoralisch, wenn sich jemand solche Anblicke nicht zumuten will.“ dann ist das ein gefährliches Argument, denn es postuliert, daß nur gezeigt werden darf, was jederman sich zumuten mag. Sollte das der Maßstab sein, an dem sich die Beantwortung der Frage, was man als Fotograf fotografieren und was ein Medium publizieren kann, orientieren sollte?

Tintenstrahldrucker-Reanimation

Das doofe an Tintenstrahldruckern ist, daß sie eintrocknen, wenn man sie nicht kontinuierlich benutzt. Alles halb so wild, denn die Dinger kosten ja nicht die Welt? Jain, denn zum einen ist Wegwerfen nicht wirklich sympathisch und zum anderen ist es in meinem Fall so, daß mein Drucker der letzte 8-Farben-Canon ohne Chips in den Patronen ist, was das Leben sehr preisgünstig macht.

Nachdem der Druckkopf heute Nachmittag zwei Stunden lang in 2mm hoch Liqui-Jet gestanden hat, ist er wie neu! 120,-€ für einen neuen Druckkopf oder einen neuen Drucker (was ich garnicht so doll finden würde, weil mein Canon IP8500 noch Partonen ohne Chips hat) gespart und das nicht zum ersten mal! Und wenn das alleine nicht hilft, dann kann man mit einer Spritze mit Nadel drauf ein wenig Tinte aus der Patrone ziehen, Nadel in den Patronenanschluß des Druckkopf stechen und einen Tropfen Tinte direkt reinspritzen.

Bildschirmfoto 2014-03-21 um 22.17.20P.S.: Das natürlich alles ohne Gewähr oder ähnliches, wer seinen Druckkopf in dem Zeug ertränkt, wer mit der Nadel was kaputt macht oder wer vorher solange trocken rumprobiert hat bis der Druckkopf verbrannt ist, der hat verloren.

 

 

Firmwareupdates und Roadmap sollten alle haben!

Wer mich in den letzten Wochen begeistert und beeindruckt ist Fuji mit dem X-System.

Nicht nur, weil die auch für ältere Kameras noch Firmwareupdates rausgeben, die wirklich tolle Funktionen wie focus peaking und die freie Auswahl der längsten Zeit in der ISO-Automatik nachrüsten, auch wenn es schon ein Nachfolgermodell gibt.

Sondern vor allem auch wegen der Roadmap. Die kündigen geplante Objektive rechtzeitig an, so daß man als Fotograf planen kann. Und die erwähnen da sogar die Optiken von Zeiss (und das in Zeiten, wo Canon die Wechselmattscheiben an der 5DIII abschafft um die Nutzung zu erschweren und keiner weiß ob je ein 1Ds Nachfolger kommt)!

http://www.fujifilm.com/products/digital_cameras/xf_lens/roadmap/Bildschirmfoto 2014-01-02 um 13.13.34

Letzter DDR-Zeitzeuge stirbt demnächst!

Die Überschrift klingt vielleicht bescheuert, wenn man sich überlegt, daß die DDR erst 24 Jahre Geschichte ist, ist aber nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern basiert auf einer verblüffenden Erkenntnis aus den Reihen der FDP Bad Langensalza.

„Die Generation, die es betrifft, ist bald weg. Das sollte man nicht mehr so aufbauschen.“ – Stadtratsvorsitzende Hans-Jürgen Büttner (FDP)

Und ich will mit einem Kollegen im Sommer zum 70. Jahrestag der Landung in der Normandie; mit Zeitzeugen! Ich muß verrückt sein. Ich oder der Herr Büttner von der FDP.

http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Stadtraete-in-Bad-Langensalza-uneins-ueber-Umgang-mit-DDR-Vergangenheit-390124661

1000 Brücken

https://vimeo.com/61949665

Multimedia-Produktion für die iPad-Ausgabe der Frankfurter Rundschau:

Der Musiker Heinz Ratz tourt derzeit mit einer Band aus Deutschen und Asylbewerbern „Strom & Wasser feat. The Refugees“ durch die Republik und besucht vor den Konzerten Asylbewerberunterkünfte und lädt die Bewohner zu den abendlichen Konzerten ein, sammelt Spenden und Instrumente.

Refugees

Dabei sind die Asylbewerber unter den Musikern ständig von der Abschiebung bedroht. Was ist völlig bizarr ist, wenn man bedenkt, daß die Bundesregierung das ganze Projekt mit der Integrationsmedaille prämiert hat.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Themen/Integrationsmedaille/2012/2012-10-24-portrait-ratz.html

Hingehen, anhören, spenden, Petition unterzeichnen!

http://1000bruecken.de/

Das ist völlig bizarr: den Musikern droht jederzeit die Abschiebung und die Regierung prämiert das ganze Projekt mit der Integrationsmedaille…

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Themen/Integrationsmedaille/2012/2012-10-24-portrait-ratz.html