Nose

© Sascha Rheker / www.sascharheker.com

„Keep the subject’s face most straight toward the camera. The face to profile or turned too far to the side will draw attention to the length of [his] nose.“

– Lindsay Adler, How to Photograph A Pronounced Nose, on ww.rangefinderonline.com

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Bullshitbingo für Objektive

Wem zwischen den Jahren langweilig ist, dem ist die größte Bullshitsammlung die je zum Thema Fotografie in deutscher Sprache veröffentlicht wurde wärmstens empfohlen. Da ist jeder Satz ein Treffer und alles so falsch, daß man eigentlich ein Buch schreiben müßte, um das alles irgendwie einzufangen:

„Die beliebtesten Objektive von Nikon und Canon sind deren 18-200 mm-Zoomobjektive, da man sie für alles nutzen kann.“

“ Echte Makroobjektive können nur Makroaufnahmen erstellen, aber das auch wirklich gut. (…) Diese kurze Schärfentiefe liebe ich so an Makroobjektiven – sie wird aber auch zur Herausforderung, wenn Sie versuchen, mehr Dinge in den Fokus zu bringen. (Versuchen Sie es mit f/22, um möglichst viel im Fokus zu haben. Fotografieren Sie außerdem im Querformat.)“

„Teile der Linsengruppen [von Tilt/Shift-Objektiven] können geschwenkt werden“

„Sie haben wahrscheinlich schon gehört, dass die meisten Digitalkameras (und digitalen Spiegelreflexkameras) einen Formatfaktor (Crop-Faktor) haben, der wie eine Ausschnittsvergrößerung wirkt. Das bedeutet, dass sich die Millimeterangaben auf dem Objektiv einer Digitalkamera von denen einer herkömmlichen 35-mm-Kamera unterscheiden. Wenn Sie beispielsweise ein herkömmliches 85-mm-Objektiv mit einer Digitalkamera verwenden, dann sind es nicht wirklich 85 mm.

Jetzt gibt es aber auch noch Vollformat-Kameras – bei denen sind 85 mm dann auch wirklich wieder 85 mm. Bei diesen Kameras gibt es keinen Formatfaktor, keinen Multiplikator – das Objektiv bleibt, wie es ist. Aber es gibt da einen Haken! (Wie immer eigentlich, oder?) Wenn Sie ein Objektiv, das für eine herkömmliche Digitalkamera gedacht war (und das ist bei den meisten der Fall) auf eine Vollformat-Kamera schrauben, wird „gezoomt“.

Sollten Sie sich also eine Vollformat-Kamera zulegen, können Sie deren Vorteile wirklich nur dann nutzen, wenn Sie sich auch ein speziell dazu passendes Objektiv kaufen. Allerdings gibt es auch einige hochpreisigere Objektive, die ganz ausgezeichnet mit Vollformat-Kameras funktionieren und die Bilder nicht beschneiden.“

Demofotografie – Journalismus oder irgendwas erlebnisorientiertes

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„“Dieses Vorgehen der Einsatzkräfte ist skandalös und wird Konsequenzen haben“, kündigte die Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, Cornelia Haß, an (…)“

Eine Nummer kleiner und besonnener hatte man das bei Verdi/dju, angesichts der Festnahme von 3 Fotografen in Stuttgart wohl nicht. Und wenn man sieht, was in der Türkei und anderswo geschieht, wo Journalisten wirklich inhaftiert werden, ist es schon fast unfreiwillig komisch.
Und wenn am Ende rauskommen sollte, daß das, was da vor Ort passiert ist, wirklich nicht ok war und ein „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ mit Pressefreiheit u.U. tatsächlich nichts zu tun hat, dann hat man der Pressefreiheit einen Bärendienst erwiesen.

Und ich habe durchaus meine Probleme damit, zu verstehen, was an Randalefotos bei denen, wenn man die Menschen im Bild schon nur von hinten sieht, dann noch die Schuhe einzelner Personen verpixelt werden, nun der journalistische Ansatz ist. In vielen Fällen werden die entstandenen Fotos nur bei Flickr gezeigt und sind dort so umfassend verpixelt, daß eine journalistische Nutzung abwegig erscheint. Bilder einer Demo bei denen alle Gesichter außer die der Polizisten am Rand verpixelt sind, das druckt einfach niemand. Und auch Polizisten in IPTC-Captions als Bullen zu bezeichnen, ist journalistisch schwierig.

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Warum ich da immer etwas vorsichtig bin: Mancher erinnert sich vielleicht noch an den Fall von dem Fotografen aus Hamburg, dessen Wohnung durchsucht wurde und wo es auch einen dieser Pressefreiheit-Aufschreie gab. Kann aber sein, daß es wohl eher darum ging, daß er sich vor einem parkenden Polizeifahrzeug aufgestellt und wiederholt den darin sitzenden Beamten mit Blitz fotografiert hatte, bis dieser dann den Arm vor sein Gesicht hob. Dieses Bild wurde dann bei Facebook gepostet und die Armhaltung per Bildunterschrift („heil…“) in die Nähe des Hitlergrußes gebracht. Ein klassischer Fall von Verleumdung. Außerdem wurden jede Menge Kennzeichen von Zivilfahrzeugen der Polizei gepostet.
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Pressefreiheit heißt nicht, daß man über dem Gesetz steht, sobald man sich für einen Journalisten hält. Auch wenn wir Journalisten da sehr großzügig sind, wenn es um die Frage geht wer Journalist ist.

Und es ist bemerkenswert, daß es immer wieder die selben Leute trifft, und das das gerade die sind die ihre Körper am umfassendsten mit der Beschriftung „Presse“ pflastern, wogegen andere nahezu unbehelligt von derartigen Ereignissen berichten können.

Wenn mancher aber gleich die Botschaft „Pressefreiheit paßt leider nicht jedem“ auf dem Rucksack mit sich rumträgt, dann kommt man nicht umhin, den Eindruck zu gewinnen als wäre das Ziel weniger Berichterstattung als „Wir fangen hier heute mal Streit für die Pressefreiheit an“ bzw. für das, was man dafür hält.

Manchmal müßte man sich als „Journalist“ – und ich habe solche „Ich habe einen Presseausweis, deswegen müssen jetzt alle machen, was ich will und heute zeige ich Euch allen mal wie Pressefreiheit geht“-Auftritte schon zur genüge in freier Wildbahn miterleben müssen – dann aber mal fragen, ob es nicht besser wäre mal mit dem eigenen Ego einen Schritt zurück zu machen und nicht jedem Polizisten zeigen zu wollen, „wo der Hammer hängt“. Manchmal wäre es für die Pressefreiheit sicher besser, wenn man intelligente Entscheidungen trifft, die vor allem darauf abzielen sollten, daß man eben berichten kann, statt sich mit Polizisten anzubrüllen oder abgeführt zu werden. Den politischen Kampf bei einer Demo sollte man den Demonstrierenden überlassen oder Kamera und Presseausweis zuhause lassen.

Ist es wirklich wichtiger, sich in der „Verteidiger der Pressefreiheit“-Pose mit Polizisten zu streiten als über das, was da passiert zu berichten, dann muß man sich mal fragen, warum man denn da überhaupt vor Ort ist. Berichterstattung oder eher irgendwas erlebnisorientiertes.

Ist „Demofotografie“ für manchen vielleicht eher eine Art Lifestyle mit Kamera, Helm, Gasmaske und dem dicken „PRESSE“ Schriftzug? Passend zum Konzept Demofotografie als Lifestyle bietet mancher dann auch gleich Sticker an, die sich die Demoteilnehmer beim Fotografen abholen können? Die Währung mit der gezahlt wird sind Facebook-Likes der Demonstranten. Nur, was hat das mit Journalismus zu tun?

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Und auch die Heftigkeit mit der man sich bei jedem Gerangel mit der Polizei öffentlich als Opfer inszeniert und gleich das passenden Meme zum Posten bereitliegen hat, die überrascht mich auch immer wieder. Und es überrascht mich, daß man all das dann nicht unter seinem echten Namen macht, sondern sowas gerne unter Pseudonymen gepostet wird. Journalismus sollte, jedenfalls solange es im Land aktuell keine Todesschwadrone gibt, nicht aus der Deckung eines Tarnnamens agieren. Auch wenn das natürlich viel vom Abenteuer wegnimmt.
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Wer wen wann warum erschießt

Im folgenden Text geht es nicht darum, wer im Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis Recht oder Unrecht hat. Es geht, von einem journalistischen Standpunkt aus, um die Frage, wie Medien in Deutschland über die Messerattacken und andere Anschläge auf Israelis berichten und ob diese Berichterstattung journalistischen Maßstäben genügt.

Wenn Palästinenser versuchen israelische Soldaten oder Zivilisten bei Anschlägen zu töten und das mißlingt, weil sie auf Gegenwehr treffen und dabei umkommen, dann kann, dann darf ein, Pressebericht darüber nicht die vereinfachende Überschrift

Israelische Sicherheitskräfte erschießen vier Palästinenser 

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/israel-palaestinensische-autonomiegebiete-messeangriffe

tragen! Jedenfalls nicht, wenn das Journalismus sein soll. Weil Journalismus dem Menschen Informationen nicht nur wahl-, zusammenhanglos oder gar aus dem Zusammenhang gerissen übermitteln soll, sondern diese auch einordnen oder eine Einordnung ermöglichen soll.

Problematisch ist auch die Unterzeile: Nach Messerattacken sind fünf Israelis verletzt und die Angreifer erschossen worden.

Denn die Israelis sind sicher durch und während der Messerattacke verletzt worden und haben sich nicht, nach einer für sie folgenlosen Messerattacke, beim Nasebohren den Finger verstaucht.

Der Satz „Nach Messerattacken sind fünf Israelis verletzt und die Angreifer erschossen worden.“ klingt, durch das „nach“ eher wie die Schilderung einer lynchmobartigen Hinrichtung und nicht nach einem Satz, der diesen Sachverhalt zusammenfaßt:

„Beim ersten der beiden Messerangriffe stach ein 16-jähriger Palästinenser auf zwei orthodoxe Juden ein, die zu Fuß von der Altstadt ins Zentrum von Jerusalem unterwegs waren. Polizisten hätten die blutenden Verwundeten gesehen und das Feuer auf den Angreifer eröffnet, als dieser auch auf sie zugelaufen sei, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Der Jugendliche wurde dabei getötet, die beiden Israelis wurden mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.“

Denn wenn man gerade zwei Menschen niedergestochen hat und mit dem Messer auf Polizisten losgeht, die den Opfern zu Hilfe eilen, dann ist das nicht „nach“ der Messerattacke! Das ist die Messerattacke.

Und diese sonderbare Art, über mißlungene Attentate mit Stichwaffen auf Menschen in Israel zu berichten, ist kein Einzelfall. Die Formulierung mit dem „nach“ findet sich in vielen deutschen Medien.

Ein weiteres Beispiel für die journalistisch-handwerklich bedenkliche Berichterstattung findet sich hier:

Unter der Überschrift:

13-jährige Palästinenserin erschossen

berichtet t-online.de von einem „Gewaltexzess“ mit folgendem Hergang „Neuer Gewaltexzess in Israel: Nach einer versuchten Messerattacke hat ein Sicherheitsbeamter im Westjordanland eine 13-jährige Palästinenserin erschossen. „

Und wieder wurde angeblich „nach“ der Attacke jemand erschossen. Und weiter heißt es:

„Das Mädchen habe sich ersten Untersuchungen zufolge mit seiner Familie gestritten, bevor sie ihr Haus mit einem Messer bewaffnet verlassen habe, sagte eine Sprecherin der Polizei. Sie habe den Wachmann am Eingang zu einer Siedlung angegriffen.“

So als sei es das natürlichste von der Welt auf Wachmänner einzustechen, weil es zuhause Streit gab. Ganz im Gegenteil zu dem Umstand, auf Gegenwehr zu treffen, wenn man versucht einen bewaffneten Wachmann zu töten. Hier stellt sich dann nicht zuletzt die Frage, was sich der Leser unter einer „versuchten Messerattacke“ vorstellen soll. Denn weiter im Text heißt es, sie habe den Wachmann angegriffen und damit dürfte die Messerattacke das Stadium des Versuchs wohl verlassen haben.

Gerne werden solche Artikel übrigens auch mit einem makaberen „body count Punktestand Hintergrundfakten“-Absatz versehen, der suggeriert, daß die angegriffenen Israelis da nicht die wirklichen Opfer und die Palästinenser nicht die Täter sein können, weil wohl schlicht zu wenig Israelis sterben. Beispiel aus dem t-online.de Artikel:

„Schon seit vier Monaten gibt es im Westjordanland fast tägliche Angriffe. Palästinenser haben dabei 25 Israelis und einen US-Studenten getötet. In der gleichen Zeit wurden 147 Palästinenser erschossen. 102 von ihnen waren nach israelischen Angaben Angreifer, die übrigen kamen bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten um.“

Und zu guter Letzt: Die Formulierung „Vergebliche Versuche“ bei n-tv, ist in diesem Zusammenhang sowas von befremdlich, wenn es um einen Anschlag geht bei dem ein israelischer Soldat nicht getötet, sondern nur verletzt wurde. Von „vergeblichen Versuchen“ spricht man sonst eher bei gescheiterten Friedensgesprächen oder Rettungsaktionen…

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Alles andere als Fotojournalismus

Die Disqualifikationen wegen technischer Untersuchungen an den Bilddateien beim World Press Photo Award sollten nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Aufhübschen und Dramatisieren von Bildern und Geschichten auf vielen Ebenen passiert.
Das Problem ist nicht „The Integrity of the Image“ wie eine WPP-Studie titelt, daß Problem ist „The Integrity of Photojournalism“ und die beginnt schon bei der Herangehensweise an ein Thema.

http://www.freelens.com/foto/alles-andere-als-fotojournalismus