Wer darf Journalist sein?

Wolfgang Grebenhof (stv. DJV-Vorsitzender) erklärte gerade bei Facebook, wie das mit dem bundeseinheitlichen Presseausweis zu laufen hat… Und es ist erschreckend!

Und gerade für viele Fotojournalisten, die wegen der miesen Bezahlung durch klassische Medien (siehe gemeinsame Vergütungsregeln; Danke DJV!) viele, ihnen wichtige, journalistische Projekte z.B. mit Stipendien, Gelder von Stiftungen,durch Jobs für Industriekunden oder mit auch Hochzeiten finanzieren, sieht es dann wohl eher schlecht aus.

Glück haben natürlich die Pressesprecher von Unternehmen.

„Endlich zahlen sich die jahrelangen, hartnäckigen Bemühungen des DJV aus.“

„Man muss nicht Mitglied im DJV sein, um den Presseausweis zu bekommen. Man muss aber, wie Mitglieder auch, den Nachweis erbringen, dass man einen nenneswerten Teil seines Einkommens mit journalistischer Tätigkeit erwirtschaftet. Wer Hochzeiten dokumentiert, gehört ebensowenig zu diesem Kreis wie jemand, der hobbymäßig einen Blog betreibt (und sei er noch so gut). Der Presseausweis soll jenen vorbehalten sein, die professionell Journalismus betreiben. Da man ja eine „Qualitätskontrolle“ weder vornehmen kann noch will, bleibt als Maßstab eigentlich nur die wirtschaftliche Frage.“

„Pressesprecher sind professionelle Journalisten – deshalb können sie ja auch Mitglied im Journalistenverband werden, der sogar eine eigene Fachgruppe für diese Berufssparte hat.“

Zu sagen, daß der Pressesprecher von Monsanto natürlich Journalist ist und der Fotograf, der es sich mit Hochzeitsfotografie selbst finanziert hat, eine Reportage über die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln in Südamerika zu fotografieren, der ist, für die Herren auf den hohen Rössern, kein Journalist, das ist ein Schlag ins Gesicht des Fotojournalismus!

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Der DJV, Ernst Jünger und Edathy

Die Zeitung „Die Harke“ hat zu Beginn der Edathy-Affäre ein Foto veröffentlicht, daß von einer Balustrade, durch ein Fenster, in Edathys Wohung fotografiert wurde. In (Foto-)Journalistenkreisen sorgt dieses Vorgehen für einge Kritik und Unverständnis, weil eine solche Veröffentlichung vielen Kollegen, sowohl wegen des Bildes ans sich, den Umständen der Aufnahme und nicht zuletzt auch wegen des Zeitpunktes der Veröffentlichung, als unethisch erscheint.

edathy

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) äußerte sich ebenfalls zu dieser Causa und kommt zu dem Ergebnis, daß alles ok ist, so wie es bei der Berichterstattung durch „Die Harke“ gelaufen ist. Wenn es sich nicht sogar um eine Sternstunde des Journalismus handelt. Alle die das kritisch sehen sind nur Theoretiker, die besser schweigen würden:

„Die Harke“, eine jener vielen deutschen Regionalzeitungen, in denen die vielen „namenslosen“ Redakteure und freien Mitarbeiter/innen jeden Tag versuchen, jenseits der Metropolen Themen zu finden und Hintergründe zu recherchieren, verdient in jedem Fall eher keine Belehrungen von Theoretikern, sondern Respekt für ordentliche Arbeit.

http://www.djv.de/startseite/info/beruf-betrieb/bildjournalisten/detail/article/foto-in-die-wohnung-hinein-persoenlichkeitsrechte.html

Zur Einschätzung des DJV zu kommen ist kein Kunststück, jedenfalls wenn man einfach den Aspekt, daß hier ein Journalist (und das schildert der betreffende Reporter der „Harke“ im – obendrein auch unter dem DJV-Artikel verknüpften NDR-TV-Interview ja selbst), ein Privatgrundstück betreten, sich da auf eine Balustrade vor dem Fenster begeben und durch das Fenster in Edathys Wohnung fotografiert hat, gänzlich ausklammert:

Doch darf auch in eine Wohnung hinein fotografiert werden? Grundsätzlich dürfen Häuser und Wohnungen nur aus Passantenperspektive vom öffentlichen Straßenland fotografiert werden. Das ist die so genannte Panoramafreiheit, geregelt in § 59 Urheberrechtsgesetz. Die Fotografie von Personen in einer Wohnung dagegen ist nach § 201a StGB strafrechtlich verboten.

Übrigens ist natürlich in § 201a StGB nicht das Fotografieren von Personen in einer Wohnung generell unter Strafe gestellt, das macht jeder Lokalreporter mit der Oma zu ihrem 90., ohne Ärger zu bekommen, unter Strafe steht das unbefugte Herstellen von Bildaufnahmen einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, wenn dadurch deren höchstpersönlicher Lebensbereich verletzt wird.

Im konkreten Fall zeigt das Bild der Wohnung nicht den Bewohner, sondern (wohl) einen ermittelnden Beamten. Dieser wiederum ist nur von hinten zu sehen und nicht zu identifizieren. Eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten scheidet daher in seinem Fall aus.

Mal abgesehen von der Frage, ob die Panoramafreiheit wirklich das Hineinfotografieren in Fenster von öffentlichen Grund aus legalisiert, denn dem Namen „Panoramafreiheit“ nach erscheint das schon abwegig:

Ab mit der Kamera im Schlepptau in Nachbars Garten? Hoch auf den Balkon und schön mit Blitz die Inneneinrichtung geknipst?

Laut DJV-Kommentar scheinbar alles völlig legal, jedenfalls solange der Nachbar oder sonstwer nicht (oder nur von hinten) im Bild ist.

Es widerspricht dem gesunden Rechtsempfinden, daß das legal sein soll. Und ich würde wetten, wenn Morgen ein Reporter der „Harke“ beim Verfasser des DJV-Statements blitzend am Wohnzimmerfenster steht, wird sich der nicht dadurch beruhigen lassen, daß man ihm als Hausherren anbietet, er könne doch aus dem Raum gehen und wäre dann nicht mehr im Bild.

Und für alle deren gesundes Rechtsempfinden das tatsächlich ok finden sollte gibt es den §123 StGB – Hausfriedensbruch. Denn (der Name täuscht) der beginnt schon beim Eindringen „in das befriedete Besitztum“.

Wie um zu beweisen, daß die ganze Argumentation nur funktioniert, wenn man den Umstand, daß die Bilder von der Balustrade gemacht wurden ausklammert, und um das ganze vollends ad absurdum zu führen führt der Artikel dann aber auch noch aus:

Im Fall des Schlosses Sanssouci wiederum wurde die („gewerbliche“) Fotografie wiederum untersagt, weil die Bilder auf dem Grund und Boden der Schlösserstiftung angefertigt wurden. Also nicht wegen eines „echten“ Rechts am Bild der Sache.

Nunja, daß die Ballustrade als Teil eines Hauses auch kaum auf öffentlichem Grund liegen wird, ist selbsterklärend.

Im Falle von (ungenehmigten) Fotos von Häusern aus der Luft gibt es die Gerichtsentscheidung, dass das bei „gewöhnlichen“, architektur-/urheberrechtlich nicht besonderen Häusern zulässig sei, solange keine besonderen persönlichen Gegenstände zu sehen seien. Auch hier also: Sachen an sich, die Wohnung oder das Haus, haben „an sich“ noch keine Rechte. 

Da stellt sich dann die Frage, ob ein Bild durchs Fenster einer Wohnung unter Benennung des Bewohners und des Standorts, rechtlich tatsächlich besser gestellt sein sollte als ein Luftbild bei dem der Eigentümer/Bewohner eines Hauses durch „besondere persönliche Gegenstände“ identifizierbar würde.

Im konkreten Fall ist auf dem Wohnungsfoto auf den ersten Blick kein Gegenstand zu sehen, der nach persönlicher Lebenssituation aussieht.

Das ist als Argument so abseitig, daß es einen schüttelt, denn die ganze Wohnung ist Teil der persönlichen Lebenssituation. Hinzu kommt, daß man im Bild eben Männerakte an der Wand eines Menschen sieht, der gerade zum Beschuldigten in einem Verfahren wegen Kinderpornographie geworden ist.

Selbst der Umstand, daß die auf dem Foto zu sehenden Männer-Akte an Edathys Wand, bei einer Veröffentlichung im Rahmen der Kinderpornovorwürfe vorveruteilend im Sinne des Pressekodex (Ziffer 8) wirken könnte, kommt für den DJV nicht in Betracht, stattdessen versteigt man sich in der absurden Argumentation, man habe Edathy damit eher einen Dienst erwiesen, indem man das zeigt:

„Im konkreten Fall wiederum könnte die Veröffentlichung der Kunstwerke unter Umständen sogar eine andere Bedeutung erlangen, zeigen die Werke doch auch, dass der beschuldigte Politiker sich für Kunst zu interessieren scheint. Im aktuellen Fall argumentierte der Politiker zuletzt, er habe Abbildungen bestellt, die seiner Ansicht nach noch legal seien. Wo Kunst endet und Kriminalität beginnt, ist damit auch ein Thema des aktuellen Falls. Die Kunstwerke zeigen unzweifelhaft legale Kunst und könnten damit indirekt sogar zu Gunsten des Politikers sprechen, weil sie seinen Kunstsinn zeigen. In jedem Fall aber symbolisiert das Bild mit der Abbildung der Kunstwerke durchaus den Kern der Debatte. Insofern hat das Foto in der Tat sehr starken Symbolgehalt für den aktuellen Fall und schon fast ikonographischen Charakter. In jedem Fall sorgt die Bildveröffentlichung nicht notwendig für eine Vorverurteilung des Politikers, sondern könnte ganz im Gegenteil wirken und im Übrigen die öffentliche Debatte über das Thema beeinflussen.“

Also meint man beim DJV tatsächlich, daß es sich bei dem Material der Kategorie 2, das Edathy unstrittig bezogen hat, um Kunst handelt, die man mit den gezeichneten Männerakten an seiner Wohnungswand gleichsetzen kann? Kunst ist schlicht alles, was legal ist? Und wer „Kunstsinn“ hat, der bestellt sich Bilder und Filme mit nackten Kindern aus Kunstsinn und nicht aus anderen Motiven?

Und die Männerakte erklärt man sogar zum „Kern der Debatte“.  Der Kern des Falles Edathy ist aber, wenn man den dazugehörigen politischen Skandal mal ausklammert, die Frage ob er auch illegale Kinderpornographie besessen hat. Nur weil man auf dem Bild einen Penis erkennen kann, ist das nicht der Kern der Debatte.

Und wie, schnell als homoerotisch einzustufende, Männerakte in der Wohnung eines, soweit man weiß, alleinstehende Mannes, der Bilder und Filme kleiner nackter Jungs bestellt haben soll die „öffentliche Debatte über das Thema“ beeinflussen könnten, das mag ich mir garnicht vorstellen. Sicher wird die Beeinflussung nicht zum Vorteil des Beschuldigten ausgehen. Aber man setzt sogar noch einen drauf:

Wiederum für die Veröffentlichung der Aufnahmen der Kunstwerke könnte sprechen, dass im konkreten Fall im Raum stehen soll, dass die (Internet-)Bestellung ähnlicher Darstellungen in fotografischer Form den Kern der Beschuldigungen ausmachen soll.

Hier versteigt man sich also allen Ernstes zu der abstrusen Behauptung, der Leser könne anhand dieser Bilder Erkenntnisse über das Material, das Edathy bestellt hat gewinnen. So als wäre der Unterschied nur, daß das Eine gemalt und das Andere fotografiert sei. Das ist doppelt abseitig: Wurde schließlich bislang immer betont, daß bei Material der Kategorie 2 eben keine Geschlechtsteile gezeigt werden, was aber auf den Gemälden, die man im Foto sehen kann durchaus der Fall ist. Auf der anderen Seite sehen die nackten Männer auf den Gemälden nicht nach Kindern aus.

Und obendrein zimmert man sich eine zusätzliche Rechtfertigung für die Veröffentlichung des Bildes aus der Wohnung: Würde man das nicht zeigen, müßte man dem Leser Bilder der Kategorie 2 zeigen und da zeigt man lieber die Männerakte an der Wand:

Weil deren Veröffentlichung im Rahmen der Berichterstattung aber unter Umständen nicht legal oder zumindest nicht angebracht erscheint (auch wenn manche Medien diese oder ähnliche Fotos unter Pixelung veröffentlichen), könnte das Bild mit den durchaus symbolhaften Kunstwerken als „milderes Mittel“ gegenüber einer solchen Bildveröffentlichung einzustufen sein.

Über die sonderbaren argumentativen Rückgriffe auf Ernst Jünger und Edathys („bisher nur theoretischen“, aber das kann ja noch werden…) Hang zum Kannibalismus sollte man besser den Mantel des Schweigens ausbreiten:

Nehmen wir einmal – bisher natürlich nur rein theoretisch – an, der bekannte Politiker würde (in Wirklichkeit) des Kannibalismus beschuldigt. Hier wäre es sicherlich zulässig, Bilder in der Wohnung, die kannibalistische Szenen zeigen, (mit) zu veröffentlichen, auch wenn es lange noch nicht heißt, dass jemand, der Bilder mit Kannibalenszenen bei sich aufhängt, zwangsläufig zum Kannibalen wird. Ebenso wenig wie ein Bücherregal mit Werken von Ernst Jünger heißen muss, dass ein Terrorverdacht gegen einen Politiker damit erhärtet würde. Gleichwohl würde ein großes Bild von Ernst Jünger in der Wohnung eines terrorverdächtigen Politikers doch recht aussagekräftig wirken können.

Zum Glück entscheidet nicht der DJV, was pressrechtlich geht und was nicht, da gibt es immer noch den Presserat und die, nach Einschätzung des DJV, allerdings eher zu überraschenden, nicht mit dem DJV abgesprochenen, Fehleinschätzungen in diesen Dingen neigende Justiz.

Insgesamt erscheint die Veröffentlichung der Wohnungsfotos daher als (noch) vertretbar, auch wenn die deutsche Gerichtsbarkeit in solchen Fragen immer wieder für Überraschungen sorgen kann.

Der DJV rudert „volle Kraft voraus“ zurück

 

 

Die in meinen Artikeln zur Rettungsknipser-Kamapgne des DJV verlinkten Seiten sind nicht mehr online und auch das vom DJV bei youtube veröffentlichte „Satire-Video“ ist gesperrt.

 

Ich finde das sehr befremdlich. Eine Klarstellung oder ein Signal des Einlenkens gegenüber den vom DJV angegriffenen Rettungskräften hätte mehr Klasse gehabt, als einfach Inhalte zu löschen und für die Öffentlichkeit zu sperren. Und das wäre auch sicher produktiver gewesen, denn dann würden die Aufrufe an den Deutschen Feuerwehr Verband, mit dem DJV über das Thema zu reden nicht wie Hohn wirken.

 

Der DJV ist nicht die Fotografen/Journalisten!

Man wird den Eindruck nicht los, daß der DJV bei seiner Kampagne gegen Rettungskräfte möglichst viel Porzellan zerschlagen will, wenn man jetzt unter folgender Überschrift weiter macht:

„Rettungskräfte: Zeit für konstruktiven Dialog“

Als wäre es Zeit, daß die Rettungskräfte und Feuerwehren endlich mit ihren fiesen Plakaten gegen Journalisten und den beleidigenden (inhaltlich und qualitativ) Webvideos aufhören.

Aber Moment! Das kam ja alles garnicht von den Feuerwehren, sondern vom DJV! Auch wenn man auf deren Website nicht mehr viel von der Kampagne sieht und es den Eindruck macht, als habe man das klammheimlich zruückgedreht.

Aber den Arsch in der Hose, zu sagen, daß man da zu weit gegangen ist, den hat man nicht! Und so wirkt der Aufruf zum Dialog wie blanker Hohn!

 

Selbstherrlich kündigt man an, die Reaktionen aufzuarbeiten und in einer Dokumentation bereit zu stellen?

Da hält sich der, der die Schlägerei angefangen und gleich ein paar Tiefschläge gelandet hat, nun scheinbar auch noch für den Ringrichter. Das ist schlicht bizarr!

Was mir bei alledem ganz besonders bitter aufstößt, ist die Art und Weise mit der der DJV auftritt, als würde er alle Bildjournalisten Deutschlands vertreten und in deren Namen sprechen können/dürfen. Dabei stehen nichtmal alle DJV Mitglieder hinter dieser Aktion.

Die Folgen, die dieser mißlungene PR-Stunt hat, werden aber wohl jene abbekommen(und nein, mich trifft das praktisch nicht.), die draußen auf der Straße Einsätze fotografieren müssen/wollen und nicht jene, die jetzt an einer Dokumentation arbeiten.

Und das unabhängig davon, ob diese beim DJV, bei ver.di, freelens sind, ob sie ihren Presseausweis im Thailand-Urlaub gekauft haben, und unabhängig davon wie sie diese Aktion selber finden.

Die Verantwortlichen die beim DJV diesen Zauber erdacht haben, hätten mal bedenken sollen, daß der DJV weder einen Alleinvertretungsanspruch für alle Journalisten hat, noch alle Journalisten im DJV sind.

Wie der DJV die Arbeitsbedingungen verschlechtert (updated)

Manchmal fragt man sich, ob Berufsverbände für oder gegen ihre Mitglieder arbeiten.

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) fährt gerade eine sonderbare Kampagne gegen fotografierende Rettungskräfte. Und das auf so eine platte und undifferenzierte Art und Weise, daß man kotzen möchte.

Das beginnt schon damit, daß man diffamierende Begriffe wie „Feuerknips“ und „Rettungsknipser“ benutzt und den Eindruck erweckt, daß jeder Feuerwehrmann oder andere Angehörige einer Hilfsorganisation mit einer Kamera in der Hand, seinen Lebenssinn darin gefunden hat mit Dumpingpreisen oder Gratisbildern Fotografenexistenzen zu vernichten.

Gekrönt wird diese Kampagne von einem Plakat, daß einen Münchner Feuerwehrmann mit Kamera unter der Überschrift „Kann mal bitte jemand löschen“ zeigt. Als würde da gerade ein Haus abbrennen, weil der Herr Feuerwehrmann ein Bild macht. Und auch der Text dazu erweckt den Eindruck, als würden da zwingend Hilfspflichten zugunsten des „knipsens“ vernachlässigt:

In den letzten Jahren hat das Fotografieren von zu Hilfsleistungen verpflichteten Fachkräften aber in einem Maß zugenommen, das zumindest hinterfragt werden sollte: Dann nämlich, wenn Bildjournalisten und Filmreportern, die mit den Aufnahmen ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, von steuerfinanzierten Behörden und Organisationen Konkurrenz gemacht wird. 

Den zweiten Satz kann man auch so lesen, daß dieses „Nicht-Helfen“ nicht etwa problematisch ist, weil da jemand nicht geholfen bekommt und Schaden nimmt, das wäre dem DJV wohl egal. Nein, es könnte den Mitgliedern des DJV ein Honorar entgehen.

Diese ganze Kampagne wirkt diffamierend, auch durch die dort benutzten Bilder und die Art und Weise, wie diese eingesetzt werden (schwarze Balken über dem Gesicht kennt man sonst eher aus dem Gerichtssaal):

Und die Fragen dieser Umfrage sind so suggestiv, daß ich die nicht guten Gewissens ausfüllen könnte.

Die grundlegenden Fragen dieser Kampagne wären durchaus mal diskutierenswert, aber so wie der DJV das macht kann da nichts gutes bei rauskommen, sondern am Ende kann nur die Verschlechterung des Verhätnisses zwischen Rettungskräften und Presse stehen.

Dabei wäre eine sinnvolle und sachliche Diskussion der diversen Problemchen die es beim Aufeinandertreffen von manchen Journalisten und manchen Rettungskräften immer mal wieder gibt sicher eine gute Sache.

Für eine differenzierte Betrachtung müßte man ein paar Faktoren betrachten:

1. Es gibt bei Feuerwehren eine Einsatzdokumentation, die der Qualitätssicherung, dem eigenen Archiv, der Erstellung von Unterrichtsmaterial etc. dient. Und das macht heute keiner mehr mit dem Malblock. Jemand in Einsatzkleidung mit Kamera ist nicht automatisch ein Feindbild.

2. Auch Feuerwehren haben ein Recht darauf Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und da auch Bilder rauszugeben.

Die Zusammenarbeit mit Feuerwehren die sich mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen ist für Journalisten obendrein oft einfacher, weil es Strukturen wie Pressesprecher etc. gibt.

Ich habe großes Verständnis, daß Feuerwehren gerade im ländlichen Gebiet auch mit ihrer wirklichen Arbeit in der Zeitung auftauchen wollen, diese wirkliche Arbeit passiert aber ungeplant Nachts oder Vormittags und da sitzen die „Freien Mitarbeiter“ vieler Lokalredaktionen bei der Arbeit oder in der Schule. Diese „Freien Mitarbeiter“ kommen dann nur am Wochenende zum Feuerwehrfest oder zu Übungen. Das gibt dann ein verzerrtes Bild und in der Öffentlichkeit die Frage, ob man zum Saufen wirklich so teuere rote Autos braucht. Die Feuerwehrberichterstattung vieler Zeitungen läßt sich mit dem Stichwort „Feierwehr“ zusammenfassen.

Wenn man hier Kritik übt, dann sollte man sich vor allem wirklich fragen, ob die Feuerwehren da Arbeitsplätze zerstört haben oder ob sie schlicht ein Vakuum füllen, das durch Sparmaßnahmen bei Verlagen entstanden ist.

3. (und vor allem)

Ist es natürlich was ganz anderes, wenn einzelne Feuerwehrangehörige ihr Ehrenamt / ihren Beruf zum Geschäftsmodel machen und nebenbei Geld mit Bildern machen wollen und es dann zu Abschottungsversuchen kommt, man die Presse besser erst verständigt, wenn alles rum ist und die guten Bilder im Kasten sind, man weiträumig absperrt, damit keiner sonst an gute Bilder kommt usw…

Und natürlich würde der Hobbyjournalist in der Uniform auch die Frage aufwerfen, wie das mit der Garantenstellung gegenüber den Betroffenen zu vereinbaren ist. Denn meiner Meinung nach kann man nur eins sein Rettungskraft oder Journalist.

Aber das dürften Einzelfälle sein. Die sich natürlich nichts desto trotz zu thematisieren lohnen würden. Wenn man es denn halbwegs sachlich hinbekommen würde.

Wenn ich dann auf der DJV Seite das hier als Reaktionen der Mitglieder geboten bekomme:

„“Das ist wirklich ein heikles Thema. Rettungskräfte und Polizei bringen uns Bildberichterstatter um unser tägliches Brot, nicht nur dass Fotos in diversen Zeitungen und Online-Medien erscheinen. Das fängt ja schon bei der ursächlich ausbleibenden Erstinfo eines Ereignisses an. 

In Rheinland-Pfalz gibt es leider keine offizielle Stelle, die Journalisten über diverse Ereignisse (Feuer, Unfall, ect.) regelmäßig informiert. POL-Pressestelle schickt Pressemeldung entweder nach Einsatzende oder einen Tag später. Berufsfeuerwehr meist nach Einsatzende, die freiwilligen Feuerwehren geben keine Infos raus. Wie soll man hier Fotos oder Filmaufnahmen von Ereignissen anfertigen, wenn man von offiziellen Einsatzkräften und der Polizei keine Info erhält??? 

Dies ist für einige Einsatzkräfte eine Möglichkeit als Hobby-Knipser ein paar Euro zu verdienen, wenn kein hauptberuflicher Bildberichterstatter kommen kann. Hier müsste man schon ansetzten, eine geeignete Stelle zu finden, die Pressevertreter rechtzeitig von diversen Ereignissen unterrichten…sei es per kurze E-Mail oder SMS-Alarm. Möglichkeiten gibt es auf jeden Fall. 

Sehr oft kommt es vor, daß dann die Fotos der Feuerwehr oder der Polizei in Zeitungen und Online genutzt werden. Wir können bis jetzt leider nur zusehen, wie hier Tag für Tag, mehr und mehr von den Hobby-Einsatz-Knipsern genommen wird und so unsere Existenzen auf dem Spiel stehen. Ich hoffe hier wird man eine Lösung finden, oder einen ganzen Berufsstand wird es bald nicht mehr geben.““

Es ist schon peinlich, das Ende eines Berufsstandes zu beweinen, weil man offenkundig nicht in der Lage ist, Kontakte zu Pressesprecher etc. aufzubauen, die einem dann Bescheid sagen, wenn was ist. Die dpa und andere bekommen das ja auch hin. Und wie sollen einem in Zukunft die Jobs fehlen, die man heute schon nicht bekommt?

Und sprechen wir mal über die „Stelle die Pressevertreter möglichst frühzeitig/rechtzeitig „alarmiert““.

Da ist natürlich die Presse vor Ort gefragt, da Strukturen (mit-) zu schaffen, mit denen sowas geht.

„Wenn es brennt dann ruft die Feuerwehr bitte nacheinander alle 15 freien Fotografen der Zeitung X und dann alle 17 freien Fotografen der Zeitung Y und dann… an, bis mal einer drangeht, der Zeit hat.“ Das ist kein Model das irgendwie funktionieren kann.

Ich möchte mal den Fotografen sehen, der weiter angerufen werden möchte, wenn er ein paar Nächte in Folge zu hyperaktiven Brandmeldeanlagen, Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen, die sich als Wildunfall mit Minikratzer und flüchtigem Wildschwein erweisen, Gasexplosionen bei denen es nur irgendwie sonderbar im Keller riecht und Wohnungsbränden mit eingeschlossenen Personen, die beim Eintreffen nur eine Mülltonne im Hof sind gerufen wurde.

Das ist für die Angehörige mancher Feuerwehren schon anstrengend, der Fotograf/Journalist müßte das, wenn es was bringen soll für alle Feuerwehren eines oder besser zweier Landkreise mitmachen.

Naja, und wenn er bei den Einsätzen die nach wenig klingen, dann aber doch was größeres sind, auch von Anfang an dabei sein will, dann kann er eigentlich jeden Alarm mitmachen.

Bleibt das Problem, daß man davon als Berufsfotograf eh nicht wirklich leben kann, sondern das nur als Teil der Tätigkeit für eine Agentur oder Zeitung wirtschaftlich funktioniert.

Die plumpe Kampagne des DJV wird da kaum etwas zum besseren wenden. Eher im Gegenteil.

Und der Abschuß ist dann der Fragebogen für Rettungskräfte auf der Seite des DJV:

Die Antwort, „Ich finde das daneben weil es polemisch und dumm ist.“ gibt es da leider nicht.

UPDATE:

Mittlerweile haben die „Kollegen“ vom DJV auf dem photokina-Parkplatz noch ein in jeder Hinsicht unterirdisches Hetz-Video produziert:

Der Clip hat durchaus das Potential dem Zwergen-Wahlwerbespot des ehemaligen hessischen NPD-Kandidaten Marcel Wöll den Rang als schlechtestes Propaganda-Video aller Zeiten abzulaufen.