Unter Tage: Könner die noch mehr weiter können wollen (Von Grubenlampen und Blitzgeräten Teil2)

27 12 2008

blitzHeute gibt es bei Spiegel-Online einen Beitrag mit dem Titel “Wie man den Blitz gekonnt einsetzt“. 

Für den Artikel hat man einen Profi-Fotografen bemüht: Michael Hennemann, der auch  Autor des Buches Digitale Fotografie – Der Meisterkurs: Für Könner, die noch weiter wollen (Leseprobe hier) ist, und der auch ein Buch mit dem Titel „ Landschaftsfotografie – Der Meisterkurs: für Könner, die mehr können wollen “ zu verantworten hat.

Michael Hennemann macht sicher schöne Kanuwanderfotos (und dafür daß ich die altbacken und langweilig finde kann er nicht), aber das, was er auf seiner Website so zeigt legt nicht den Eindruck nahe, daß die Arbeit mit Blitzen zu seinen Spezialgebieten zählt. Der Spiegel-Online Artikel und auch die Leseprobe aus seinem Buch sind in der Folge leider nicht mehr als das, was seit Jahrzehnten in fast allen Büchern passiert die einem versprechen, daß man mit Ihnen photographieren lernen würde. 

Ein Beispiel aus dem Spiegel-Online-Artikel:

 

Für den richtigen Einsatz des Blitzgerätes und für optimale Belichtungen bei der Fotografie mit Blitz ist es daher wichtig, sich klarzumachen, wie sich bestimmte Einstellungen auf das Foto auswirken:

* Die Wahl der Blende beeinflusst sowohl das Blitz- als auch das Umgebungslicht in gleichem Maße.

* Die Verschlusszeit dagegen ist immer länger als die extrem kurze Leuchtdauer des Blitzlichts und hat daher nur eine Auswirkung auf den Anteil des Umgebungslichts in der Gesamtbelichtung, der Anteil des Blitzlichts dagegen wird nicht beeinflusst.

* Die einzige Möglichkeit, um den Anteil des Blitzlichts innerhalb der gesamten Lichtmenge des Fotos zu verändern, besteht in einer Reduzierung der Blitzleistung.

Das scheint auf den ersten Blick alles zu stimmen, oder? Tut es aber nicht, eigentlich zeigt es nur, daß er es entweder selbst nicht wirklich verstanden hat oder er es nicht erklären kann.  Die Wahl der Blende beeinflußt das Blitz- und das Unmgebungslicht nur dann in gleichem Maße, wenn der Blitz voll manuell betrieben wird! Und genau das empfiehlt Hennemann nur in einem Ausnahmefall, nämlich bei Aufnahmen bei denen der Blitz mehrfach während einer Langzeitbelichtung gezündet wird. Steuert die Kamera das Blitzgerät per TTL (die von ihm empfohlene Methode), dann gleicht sie die veränderte Blende über eine Anpassung der Blitzleistung aus, das Raumlicht kann sie jedoch nicht ebenfalls anpassen. In der Folge kommt es zu einem ganz anderen Verhältnis von Umgebungs- zu Blitzlicht und eine Veränderung der Blende wirkt nicht in gleichem Maße auf beide Lichtarten. 

Auch in Sachen Prozentrechnung hapert es. Das Ganze sind immer 100%. Wenn ich bei einer 50%/50% Mischung von zwei Komponenten, von einer Komponente die Hälfte wegnehme, dann steigt der Anteil der anderen Komponente von 50% auf 66%. Der Anteil ist immer relativ zur Gesamtmenge und die Gesamtmenge ändert sich bei jeder Änderung des Anteils einer beliebigen Komponente. Also kann man den Anteil der Blitzleistung auch verändern, indem man den Anteil des Umgebungslichtes erhöht oder reduziert. Und natürlich läßt sich der Anteil des Blitzlichtes nicht nur durch eine Reduzierung der Blitzleistung, sondern auch durch eine Steigerung der Blitzleistung verändern.

Wenn man durch Erhöhen oder Vermindern einer Komponente das Verhältnis ändert, darf man aber nicht vergessen, daß man damit auch die die Gesamtmenge geändert hat. Stellen wir uns mal ein Motiv vor, das durch zwei Glühbirnen und zwei Blitzgeräte (mit fester Leistung, die beide auf 50% stehen) perfekt ausgeleuchtet wird. Macht man jetzt eine Glühbirne aus müßte man eines der Blitzgeräte auf 100% drehen, um wieder die selbe Menge Licht zu haben. Oder man müßte die Belichtungszeit/Blende der Kamera dementsprechend anpassen.

Das sind aber alles Sachen die in Hennemanns Artikel überhaupt nicht stattfinden. Dass man alles was mit blitzen zu tun hat und vor allem alle Aspekte die das Zusammenspiel von Umgebungs- und Blitzlicht und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten betreffen durchaus sinnvoll erklären kann beweist David Hobby auf strobist.com zum Beispiel hier und hier.

Und auch die Leseprobe aus dem Buch Digitale Fotografie – Der Meisterkurs: Für Könner, die noch weiter wollen“ läßt befürchten,  daß es da nur um ein weiteres der belanglosen Lehrbüchern zum Thema Photographie handelt. 

Warum ich solche Bücher nicht mag und wünschte ich hätte nie eines davon gelesen, erkläre ich demnächst mal. Bis dahin ein Zitat aus dem besten Buch zum Thema Photographie das ich bisher gefunden habe:

Learn from the best; the second-raters have nothing to offer. 

David Hurn, On Being a Photographer : A Practical Guide by David Hurn, Bill Jay , ISBN: 1888803061

 





Von Grubenlampen und Blitzgeräten

21 12 2008

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Die wenigsten Menschen laufen ihr Leben lang mit einer Grubenlampe auf dem Kopf durch’s Leben, die sie einschalten sobald es dunkel wird. Viele Photographen machen genau das und wundern sich dann, wenn ihre Bilder aussehen wie „unter Tage gemacht“.  Denn ein Blitzgerät auf der Kamera ist nicht viel anders als eine Grubenlampe und das so erzeugte Licht widerspricht massiv unseren sonstigen Sehgewohnheiten, es sei denn man ist Bergmann. In der Folge blitzen viele Photographen „lieber nicht so gerne“, „nur wenn’s garnicht anders geht“ usw. Eine Technik die man nur als Notnagel beherrscht wird aber immer zu schlechteren Ergebnissen führen als etwas das man wirklich beherrscht. Also entweder läßt man das Blitzen sein oder man lernt und betreibt es konsequent. 

Zuerst muß man sich vergegenwärtigen, welche Probleme ein auf der Kamera befestigter Blitz mit sich bringt. Es ist nicht nur die Grubenlampen-Problematik, die natürlich noch um so mehr ins Gewicht fällt wenn man sich ganz auf den Blitz stützt statt die Umgebungshelligkeit mitzunehmen (aber das wäre der schlimmste Fall von dem wir besser nicht ausgehen). Zusätzlich trifft der Blitz auch alle Objekte die zwischen Kamera und dem eigentlichen Motiv sind. Nahe Objekte werden entweder überbelichtet oder führen zur Unterbelichtung des Hauptmotives, wenn sie korrekt belichtet werden, Objekte im Hintergrund bekommen bei korrekter Belichtung des Hauptmotives zu wenig Licht ab, somit werden räumliche Staffelungen nahezu unmöglich. Arbeitet man dagegen mit Licht von der Seite oder mit mehreren ebenfalls gestaffelten oder auf unterschiedliche Leistungsstufen gestellten Lichtern von der Seite, dann kann man auch mit räumlichen Staffelungen arbeiten.

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Da der Blitz auf der Kamera annähernd in der Achse des Objektivs ist kommt es zu Reflektionen und Schattenwurf. An Bilder durch Glasscheiben hindurch (wie dem Portrait im Auto) ist garnicht zu denken.

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Und auch indirekt zu blitzen ist keine wirkliche Patent-Lösung, denn das Licht kommt immernoch aus der Richtung des Photographen und es findet sich auch nicht überall eine Fläche die man benutzen kann um „über Bande“ zu blitzen, außerdem darf diese Fläche dann nicht im Bild sein, weil sie dafür zuviel Licht abbekommt.  Und außerdem muß man dann eine bestimmte Position zur Reflektionsfläche einhalten und kann die Kamera z.B. auch nicht einfach ins Hochformat drehen.
Das führt zum für mich größten Hindernis beim Blitzen mit dem Blitz auf der Kamera: Bei jeder Änderung des Bildausschnitts oder der Distanz zum Motiv ändert man automatisch auch die Leuchtrichtung des Blitzes und damit die Lichtstimmung. 

Wenn man sich dieser Probleme bewußt ist, kann die Konsequenz eigentlich nur darin bestehen, die Benutzung von Blitzgeräten auf der Kamera zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das ist heute alles keine große Sache, weil bei praktisch allen Herstellern mindestens ein TTL-Kabel im Programm ist, wenn es nicht sogar Systeme gibt bei denen das Blitzgerät in der Kamera, ein System-Blitzgerät auf der Kamera oder ein spezieller Transmitter ferngesteuerte Blitze auslösen können. Das löst schon viele Probleme (bei dem Baustellenbild oben ist das Blitzgerät z.B. einfach am ausgestreckten rechten Arm gehalten). Wenn man ein Blitzgerät benutzt um andere Blitzgeräte (besonders TTL) zu steuern, dann sollte man aber unbedingt darauf achten, daß das Blitzgerät nichts anderes macht als die anderen Blitzgeräte zu steuern. Läßt man das Blitzgerät auf der Kamera mitblitzen hat man wieder das Grubenlampenproblem.

Ein weitere Vorteil von entkoppelten Blitzgeräten ist, daß man Lichtformer benutzen kann die auf der Kamera kaum Platz finden würden, denn ein Reflexschirm mit 40cm Durchmesser ist nichts was der Blitzschuh einer Kamera tragen kann. Und es macht schon einen Unterschied ob die Lichtquelle die Größe einer Zigarettenschachtel oder eben eines Reflexschirms hat. Und auch der Einsatz von deutlich gerichtetem Licht geht viel besser, wenn das nicht von einer wackligen Kamera kommt und sich bei jeder Bewegung des Photographen ein neues Ziel sucht.

Noch wichtiger als die Frage wie und womit man blitzt ist jedoch die Frage, warum und wann man überhaupt blitzen sollte. 

Wer nicht über eine Studioblitzanlage verfügt, wird kaum die Nacht zum Tag machen können, schon garnicht unterwegs. Mit zwei, drei, vielen Kompaktblitzgeräten kann man aber sehr schön den Tag zur Nacht machen und vor allem Anderen: Kontraste steuern. In den wenigsten Fällen wird man als Photograph die Möglichkeit haben das vorhandene Tageslicht zu verändern. Das Verhältnis zwischen Tages- und Blitzlicht ist dagegen durchaus regelbar und wenn man zur Unterbelichtung über die Belichtungszeit greifen kann, dann hat man plötzlich sogar das Tageslicht unter Kontrolle und kann einen rotbraunen Fußboden verschwinden lassen, wie oben beim Bild der Sozialarbeiterin mit der Jugendgruppe, oder man kann einen Raum komplett ausblenden, wenn es z.B. terminlich nicht anders geht als jemanden tagsüber in seinem Büro zu photographieren, es bei der Geschichte aber darum geht, daß der Portraitierte eine Website betreibt die nichts mit seinem Beruf oder Büro zu tun hat. Geblitzte Bilder können durchaus viel dunkler sein als es ein korrekt (was immer das heißt) belichtetes available light Bild wäre!
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Auf der anderen Seite kann man Blitzlicht aber auch benutzen, um eine korrekte Belichtung des Umfeldes zu erreichen (um z.B. Zeichnung im Himmel zu erhalten)  und gleichzeitig das (z.B. im Schatten liegende) Hauptmotiv aufzuhellen, wie beim z.B. beim Baustellenbild oben sowohl in der Baugrube als auch beim Bagger außerhalb Zeichnung zu haben. Im Gegensatz zum Aufhellblitzen mit dem Blitz auf der Kamera erhält man so aber eine wesentlich stimmigere Lichtstimmung, weil sich der Betrachter nicht daran stört, daß eine der Lichtquellen aus seiner Blickrichtung kommt, das besonders, wenn man mehr als ein Blitzgerät benutzt.

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Auch der Umstand, daß der entfesselte Aufhellblitz von der Seite Objekte im Vordergrund nicht ausfressen läßt führt beim Aufhellen zu wesentlich natürlicheren Bildern.

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Ein weiterer Vorteil von seitlichem Licht liegt darin, daß bei gestaffelten Motiven die Schatten nicht in das Motiv sondern seitlich aus dem Motiv rausfallen, und so z.B. bei diesem Bild die Schatten der vorne stehenden nicht auf die hinten stehenden fallen. Bei Licht von beiden Seiten minimiert man Schatten zusätzlich.

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Blitzen. Erst recht, wenn es zu hell ist!

12 08 2008

Als erster Artikel in der Blitz-Kategorie bietet sich das Geständnis an, daß ich mit Blitzgeräten im Dunklen nicht so richtig viel anzufangen weiß, sondern die lieber benutzen, wenn es eh schon zu hell ist. Da kann man dann auch weniger kaputt machen und auch mal drei Stück auspacken; man will ja auch ein wenig repräsentieren.

Das wirkt auf den unbedarften Zuschauer immer ein wenig komisch und von Leuten die Kameras umhängen haben wird man gerne milde belächelt. Ist aber egal, solange die Bilder stimmen.