Ich bin das nicht!

Habe gerade den Ordner „Nachrichtenanfragen“ bei Facebook entdeckt. Da schreibt mir z.B. jemand:
 
„Zu ihrer Arbeit in der neuen GEO habe ich eine Frage, nehmen Sie als erwachsener Mensch diesen Text etwa ernst? Geht ein Mensch davon aus das eine höhere Macht ihm beisteht, braucht er im Leben nichts zu fürchten. Was ist das denn für ein Unsinn, man braucht doch nur die Geschichte der Menschheit anzuschauen und was jeden Tag passiert um zu wissen, es gibt keine höhere Macht die uns beisteht, wir sind alleine auf dieser Welt und können uns nur gegenseitig mit Liebe, Mitgefühl und Mut beistehen.“
 
Schön, wenn die eigene Arbeit wahrgenommen wird. Aber als Fotograf bin ich für den Text nicht wirklich zuständig und ich muß mich auch nicht für das was die Menschen in meinen Geschichten machen rechtfertigen, weil ich „garnicht diese Menschen bin“, sondern nur von ihnen erzähle.

Anderfalls wäre ich gleichzeitig Neo-Nazi, Priester, Orgelbauer, Holocaustüberlebender, ADAC-Pannenhelfer, die Bundeskanzlerin, Arzt in der Notaufnahme, Mutter von Vierlingen, Flüchtling, Tanzmariechen, Müllmann, Straßenmeister, Strandkorbverleiher, Mönch, Salafist, islamophober Idiot, Passionsspieljesus, Kernkraftwerker, Soldat, Flughafenmitarbeiter, Kampf- und Rettungshubschrauberpilot, Schäfer, Strommastmaler, Weltkriegsveteran, Börsenhändler, Trachtenoma, Metzger, Volksmusiker, Gesangsvereinsmitglied, Wattwanderer, Weihnachtsbaumverkäufer, Arbeitshund bei Zoll und Bundeswehr, Streikposten…

… und obendrein noch Ansprechpartner für alle die mit irgendeiner dieser Gruppen irgendein Problem haben.

Aber, wenn jemand für sich sagt, daß er im Leben keine Angst hat, weil er an Gott glaubt, dann ist das für mich ok. Und es ist mir lieber als Menschen die vor allem Angst haben und deswegen andere Menschen hassen.

 
 

Wo Digicams Smartphones übertrumpfen

Wenn Spiegel Online über Fotografie schreibt, dann bleibt oft kein Auge trocken. So auch heute. Im Artikel „Wo Digicams Smartphones übertrumpfen“ finden sich unter den fünf tollen Dingen bei denen kompakte Digitalkameras Smartphones „übertrumpfen“:
 
GPS-Daten in das Bild speichern (Mal ehrlich: Welches Smartphone kann das denn nicht?)
 
Langzeitbelichtungen machen (sie nennen es „Malen mit Licht“, weil man vor der Kamera mit einer Taschenlampe oder Leuchtstäben rumspringen soll; Langzeitbelichtungen kann das Smartphone per App in der Regel aber auch)
 
und als Höhepunkt der Irrsinns: übertrumpfen Nikon Kompaktdigitalkameras Smartphones, indem sie die Bilder drahtlos ans Smartphone schicken können. Da kann das Smartphone natürlich kaum mithalten, denn ein Smartphone, das sich selbst drahtlos Bilder schickt, das wäre dann auch eher eines mit psychologischem Problem.
 
Ob die beiden anderen Funktionen mit denen Kompaktdigitalkameras Smartphones übertrumpfen wirklich was taugen, mag ich nicht sagen, aber eine Kompakte erscheint kaum als Mittel der Wahl für die Astrophotographie und auch eine Fokusfahrt durch ein kurzes Video bei der man sich dann später (Lichtfeld für Arme!) ein Standbild aussuchen kann, erscheint nicht als echte Sensation…

Das Bild von letztgenannter Funktion mit der BU „Dasselbe Foto, zweimal scharf gestellt“ ist übrigens ein tolles Beispiel für optische Systeme, die bei der Fokussierung die Brennweite nicht halten können, weswegen das ganze ganz sicher nicht „das selbe Foto“ ist, da sich der Bildausschnitt unterscheidet.

 

This won’t change a thing

Today every new piece of photography gear is said to change everything. Even though many of us have not really noticed the many „changes of everything“ that were announced during recent years.

Remember about 2 years ago, when everything was changed by Lytro cameras? No?

The old saying „Standing on the shoulders of giants“ expresses the meaning of „discovering truth by building on previous discoveries“.

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Today some people seem to have dismounted the giant and this will bring us the first ever macro lens wit an built-in ring light. Well at least for those of us who can’t remember the first Medical-Nikkor from 1962 or the Yashica Dental Eye (I to III) .

Demofotografie – Journalismus oder irgendwas erlebnisorientiertes

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„“Dieses Vorgehen der Einsatzkräfte ist skandalös und wird Konsequenzen haben“, kündigte die Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, Cornelia Haß, an (…)“

Eine Nummer kleiner und besonnener hatte man das bei Verdi/dju, angesichts der Festnahme von 3 Fotografen in Stuttgart wohl nicht. Und wenn man sieht, was in der Türkei und anderswo geschieht, wo Journalisten wirklich inhaftiert werden, ist es schon fast unfreiwillig komisch.
Und wenn am Ende rauskommen sollte, daß das, was da vor Ort passiert ist, wirklich nicht ok war und ein „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ mit Pressefreiheit u.U. tatsächlich nichts zu tun hat, dann hat man der Pressefreiheit einen Bärendienst erwiesen.

Und ich habe durchaus meine Probleme damit, zu verstehen, was an Randalefotos bei denen, wenn man die Menschen im Bild schon nur von hinten sieht, dann noch die Schuhe einzelner Personen verpixelt werden, nun der journalistische Ansatz ist. In vielen Fällen werden die entstandenen Fotos nur bei Flickr gezeigt und sind dort so umfassend verpixelt, daß eine journalistische Nutzung abwegig erscheint. Bilder einer Demo bei denen alle Gesichter außer die der Polizisten am Rand verpixelt sind, das druckt einfach niemand. Und auch Polizisten in IPTC-Captions als Bullen zu bezeichnen, ist journalistisch schwierig.

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Warum ich da immer etwas vorsichtig bin: Mancher erinnert sich vielleicht noch an den Fall von dem Fotografen aus Hamburg, dessen Wohnung durchsucht wurde und wo es auch einen dieser Pressefreiheit-Aufschreie gab. Kann aber sein, daß es wohl eher darum ging, daß er sich vor einem parkenden Polizeifahrzeug aufgestellt und wiederholt den darin sitzenden Beamten mit Blitz fotografiert hatte, bis dieser dann den Arm vor sein Gesicht hob. Dieses Bild wurde dann bei Facebook gepostet und die Armhaltung per Bildunterschrift („heil…“) in die Nähe des Hitlergrußes gebracht. Ein klassischer Fall von Verleumdung. Außerdem wurden jede Menge Kennzeichen von Zivilfahrzeugen der Polizei gepostet.
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Pressefreiheit heißt nicht, daß man über dem Gesetz steht, sobald man sich für einen Journalisten hält. Auch wenn wir Journalisten da sehr großzügig sind, wenn es um die Frage geht wer Journalist ist.

Und es ist bemerkenswert, daß es immer wieder die selben Leute trifft, und das das gerade die sind die ihre Körper am umfassendsten mit der Beschriftung „Presse“ pflastern, wogegen andere nahezu unbehelligt von derartigen Ereignissen berichten können.

Wenn mancher aber gleich die Botschaft „Pressefreiheit paßt leider nicht jedem“ auf dem Rucksack mit sich rumträgt, dann kommt man nicht umhin, den Eindruck zu gewinnen als wäre das Ziel weniger Berichterstattung als „Wir fangen hier heute mal Streit für die Pressefreiheit an“ bzw. für das, was man dafür hält.

Manchmal müßte man sich als „Journalist“ – und ich habe solche „Ich habe einen Presseausweis, deswegen müssen jetzt alle machen, was ich will und heute zeige ich Euch allen mal wie Pressefreiheit geht“-Auftritte schon zur genüge in freier Wildbahn miterleben müssen – dann aber mal fragen, ob es nicht besser wäre mal mit dem eigenen Ego einen Schritt zurück zu machen und nicht jedem Polizisten zeigen zu wollen, „wo der Hammer hängt“. Manchmal wäre es für die Pressefreiheit sicher besser, wenn man intelligente Entscheidungen trifft, die vor allem darauf abzielen sollten, daß man eben berichten kann, statt sich mit Polizisten anzubrüllen oder abgeführt zu werden. Den politischen Kampf bei einer Demo sollte man den Demonstrierenden überlassen oder Kamera und Presseausweis zuhause lassen.

Ist es wirklich wichtiger, sich in der „Verteidiger der Pressefreiheit“-Pose mit Polizisten zu streiten als über das, was da passiert zu berichten, dann muß man sich mal fragen, warum man denn da überhaupt vor Ort ist. Berichterstattung oder eher irgendwas erlebnisorientiertes.

Ist „Demofotografie“ für manchen vielleicht eher eine Art Lifestyle mit Kamera, Helm, Gasmaske und dem dicken „PRESSE“ Schriftzug? Passend zum Konzept Demofotografie als Lifestyle bietet mancher dann auch gleich Sticker an, die sich die Demoteilnehmer beim Fotografen abholen können? Die Währung mit der gezahlt wird sind Facebook-Likes der Demonstranten. Nur, was hat das mit Journalismus zu tun?

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Und auch die Heftigkeit mit der man sich bei jedem Gerangel mit der Polizei öffentlich als Opfer inszeniert und gleich das passenden Meme zum Posten bereitliegen hat, die überrascht mich auch immer wieder. Und es überrascht mich, daß man all das dann nicht unter seinem echten Namen macht, sondern sowas gerne unter Pseudonymen gepostet wird. Journalismus sollte, jedenfalls solange es im Land aktuell keine Todesschwadrone gibt, nicht aus der Deckung eines Tarnnamens agieren. Auch wenn das natürlich viel vom Abenteuer wegnimmt.
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Deine Mudda…zeigt Dich nur verpixelt.

Eine Familienbloggerkonferenz und das Thema Kinderfotos im Internet.

Hundi

Im obigen Bild werden die Persönlichkeitsrechte der Kinder, nach Meinung mancher „Familienblogger“, perfekt geschützt und die Kleinen vor Spott und Mobbing ihrer Mitschüler geschützt. Jedenfalls solange die Mitschüler dieses Foto niemals sehen…

Es erscheint wie eine Farce, was man da bei Spiegel Online lesen kann und irgendwie hat es was von einer digitalen Burka und in der Folge muß man fragen, warum die Dame ihre Kinder eigentlich unverhüllt aus dem Haus läßt:

„Das Internet soll kein kinderfreier Raum werden.“ Es sei eine Entscheidung der Eltern, ob sie das Foto ihrer Kinder im Netz veröffentlichen oder nicht. Sie selbst habe sich für den konservativen Weg entschieden: Das Kind zeigen, aber nur ohne Gesicht.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kinderfotos-im-internet-was-geht-und-was-nicht-a-1089055.html

Der „konservative Weg“ also. Erinnert spontan an die Schüler in Pink Floyds „The Wall“:

Warum eigentlich nicht gleich zum Kinderfotostuntdoublesymbolbild aus der Bildagentur greifen. Damit kann Mutti dann trotz aller Bedenken damit angeben, daß sie Kinder hat. Und obendrein kann man sich dann ja auch gleich schönere Kinder raussuchen oder auch mal Kinder in einer anderen Farbe posten. Zum Beispiel, wenn man mal mit Afrika solidarisch sein will, und so.

Pixels

Die kleine Dings sieht auch heute nach 20 Jahren noch genauso aus wie auf diesem Bild. Jedenfalls auf den ebenfalls verpixelten Bildern aus dem Gerichtssaal, die man immer mal in der Boulevardpresse sieht. 
Die Frage ist doch: „Schützt jemand seine Kinder, vor Mobbing und Spott, indem er deren Gesichter verpixelt?“. Man muß nicht viel Phantasie aufwenden, um zu dem Schluß zu kommen, daß das für den Mobber von Format eher willkommene Munition ist:

„Deine Mudda is so häßlich, die zeigt selbst ihre Kinder nur verpixelt!“

Einer der Höhepunkte der  Hysterie, die man hier besichtigen kann, war ein Post der Polizei in Hagen, den man so verstehen kann, daß praktisch jedes Kinderfoto bei Facebook zu Mobbing, Selbsthass beim Kind und Übergriffen von Pädophilen führen würde. Zwangsläufig. Deswegen solle man das besser lassen.

 

Spannend wird es wenn man über Spiegel Online hinaus auf die Seite der Dame liest, die auf dieser Konferenz zu dem Thema sprach: http://dasnuf.de

Manches ist nur sehr schwer nachzuvollziehen:

„Nirvana Nevermind Cover Baby Spencer Elden ist heute 25 und muss sich immer noch anhören, dass er „the guy with the small penis“ ist. Das Album wurde bis heute 26 Mio verkauft…“

Und dann kommt da der Satz „Es gibt eine Menge Alternativen, wie man Fotos posten kann und trotzdem die Persönlichkeitsrechte der Kinder wahrt.“ Gefolgt von einer Galerie von Bildern wie diesen hier:

bsp-katzenmaske.jpg

IMG_6842.jpg

Bsp-heibie.jpg

Und da fragt man sich dann schon, ob man seine Kinder mit Katzenköpfen nicht eher der Lächerlichkeit preisgibt als mit ihren echten Gesichtern. Kleiner Tip: Einfach mal ein „Erdogan mit Katzenkopf“-Bild in der Türkei plakatieren und abwarten, was passiert.

Und dann kann man da noch folgenden Twitter-Dialog lesen:

Autorin: „Sind Texte über Kinder im Netz was anderes als Fotos von Kindern? Wenn ja, warum?“

Antwort: „Ja, sind es. Fotos kann ich immer gegen den Angebildeten verwenden; Texte eher gegen den Autor und weniger den Beschriebenen.“ (Schreibfehler im Original)

Also, ist ein Bild auf dem der kleine Kevin süß lächelt immer geeignet, damit es später von Mitschülern gegen ihn verwendet wird. Schreibt seine Mama aber 10 Blogeinträge darüber, daß er Bettnässer ist, so werden seine Mitschüler das natürlich nicht gegen Kevin ins Felde führen, sondern seiner Mutter Vorwürfe machen, daß sie das bei ihrem Sohn nicht besser in den Griff bekommen hat.

Es ist schon erschreckend, wie weltfremd und undurchdacht vieles, was Familienblogger zu diesem Thema sagen, ist. Eine gute Basis, anderen in Blogs und auf Konferenzen Ratschläge zu geben…

“Without debate, without criticism, no administration and no country can succeed – and no republic can survive. … And that is why our press was protected by the First Amendment – the only business in America specifically protected by the Constitution – not primarily to amuse and entertain, not to emphasize the trivial and the sentimental, not to simply ‘give the public what it wants’ – but to inform, to arouse, to reflect, to state our dangers and our opportunities, to indicate our crises and our choices, to lead, mold, educate and sometimes even anger public opinion.”

– John F. Kennedy

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Wenske- Red Rooster

Mein Freund Helmut Wenske hat das Buch über den 2011 verstorbenen Hanauer Musiker Manny Herrmann fertig. Und da ich zu den Letzten gehöre, die Manny fotografiert haben sind auch zwei Bilder von mir mit dabei, was mich sehr stolz macht.
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Wer Helmut Wenske kennt oder Manny Herrmann kannte, für den sollte das Buch eigentlich eine Pflichtlektüre sein. es ist in jedem Fall lesenswert. Und da die Auflage garnicht mal so hoch ist, wird es sicher mal sehr wertvoll.
Wenn da am Ende Geld überbleibt, geht das Geld an die Witwe, die bei seinem Tod mit der Scheidung noch nicht durch war und deswegen die Beerdigung… aber das steht alles im Buch!
Kaufen kann man das beim Dausien in der Salzstraße und bestellen kann man das auch hier:
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Manny Herrmann zum Anhören: