Einsatz der Bundeswehr im Inneren?

Egal, was man über Menschen denkt die Waffen sammeln und die es toll finden einen Wehrmachtspanzer im Keller stehen zu haben:

Die Fragen, ob das einen Einsatz der Bundeswehr als Hilfspolizei “m Inneren” rechtfertigt, ob es wirklich keine Privatfirma gibt die einen Panzer aus einer Garage ziehen kann und die Frage ob es keine (kostengünstigere) Alternativen zur Beschlagnahme gegeben hätte, stellen sich da durchaus.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/panzer-in-heikendorf-anwalt-haelt-bundeswehr-einsatz-fuer-rechtswidrig-a-1042043.html

Und beim nächsten von Studenten besetzten Hörsaalgebäude kommt das KSK, weil sich keine Privatfirma in Deutschland so gut mit “Häuserkampf” auskennt?

Wobei die Behauptung, daß nur die Bundeswehr da einen Panzer abtransportieren kann einen besonders komischen Beigeschmack hat, wenn man immer wieder auf der Autobahn sieht, daß die Bundeswehr selbst, Transporte ihrer Panzer, outsourced. Einfach mal nach Bildern zum Begriff “Panzertransport” googlen…

http://www.abload.de/img/img_96251fem0.jpg

http://www.hansebube.de/forum/f06ulgrpanzer18.jpg
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Der “arme alte Mann”…

Im Moment empört man sich über den Fall eines Rentners, der angeblich aus seinem Heim geworfen wird/wurde/würde, weil er sein, angeblich ekliges, Essen fotografiert und das ins Internet gestellt hat.

Journalistisch ist die Geschichte eine kleine Bankrotterklärung, die nun fröhlich von einander abgeschrieben wird! Wer nicht mit beiden Seiten spricht, der läßt sich einspannen!

Spricht man auch mit der Heimleitung klingt das gleich anders. Pikantes Detail, das auch im Artikel unten fehlt: Wegen Schluckbeschwerden soll der Mann püriertes Essen bekommen haben, was dann natürlich die Optik der Mahlzeit durchaus beeinflußt….

http://reporter-24.com/2015/06/pro-seniore-rauswurf-erfunden/

Warum es Journalisten vor Ort braucht

Das große Problem mit irgendwelchen Videos im Netz ist, daß diese einen Anfang und ein Ende haben, daß irgendwer willkürlich bestimmt hat. Man bekommt nur einen Ausschnitt eines Geschehens gezeigt, das auch gerne mit der Absicht einen Sachverhalt so darzustellen, wie man ihn verstanden haben möchte. Das macht diese Videos als Quelle für jede journalistische Berichterstattung gefährlich.

U.a. der hessische Rundfunk hat heute bei Facebook folgendes Video geteilt:

Unter dem Video bei Youtube steht:

Staatsgewalt / Polizeigewalt pur gegen zwei Eintracht Frankfurt Fans die der Queen von England winken.
Die Fans haben nichts gemacht ausser gewunken aber die aggresive Polizei ist er auf den jungen mit Eintracht Frankfurt Oberteil losgegangen.

Ursprüngliche Beschreibung auf der hr Facebookseite:

Brutale Szenen am Rande des Queen-Besuchs in Frankfurt: Ein Video zeigt, wie Polizisten auf zwei junge Männer losgehen. Die Aufnahmen sorgen für große Aufregung im Netz. Die Polizei will jetzt klären, wie der Einsatz genau abgelaufen ist.

Und hier kommt jetzt Journalismus ins Spiel, weil man wohl auch bei der Polizei nachgefragt hat (auch wenn es vielleicht besser gewesen wäre, deren Stellungnahme vor der Veröffentlichung abzuwarten). Und so kommt es zu folgendem Update des Posts:

+++UPDATE: Vor dem Übergriff hätten die beiden Männer versucht, über die Absperrungen zu klettern. Als die Polizisten die Ausweise kontrollieren wollten, seien sie mit Beleidigungen wie “Drecksbulle” beschimpft worden. Sie hätten den Polizisten zudem Schläge angedroht. Das bestätigte Polizeisprecher André Sturmeit gegenüber der hessenschau.+++

Hier die Stellungnahme der Polizei dazu:

Das Video zeigt, wie so oft, leider nur einen Ausschnitt des gesamten Verlaufs. Der gesamte Sachverhalt wurde von unseren Kollegen vor Ort ebenfalls auf Video aufgenommen und stellt sich gänzlich anders dar.

Die beiden Festgenommenen versuchten kurz zuvor die Absperrung zum geschützten Innenbereich anlässlich des Besuchs der englischen Königin zu übersteigen und wurden von unseren KollegInnen vor Ort davon abgehalten.

In der Folge wurden die Beamten vor Ort von den beiden polizeilich bekannten Personen aufs übelste beleidigt. „Hurensöhne“ soll nur ein Beispiel für die zahlreichen Beleidigungen sein.

Beide begegneten den polizeilichen Anordnungen sehr widerwillig und pöbelten auch weiterhin ununterbrochen gegen die Beamten.

Einer der Männer verweigerte seine Ausweispapiere gänzlich und drohte den Beamten. 

Bei der sich anschließenden vorläufigen Festnahme schlug er einem Beamten ins Gesicht. 

Letzten Endes kamen beide Männer (18 und 21 Jahre) in das Polizeigewahrsam und nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen am Nachmittag wieder auf freien Fuß.

Niedlichkeit tötet

Es passiert sehr selten, daß ich für irgendwas Geld spende! Heute ist es dann doch passiert. Und es wäre schön, wenn ich da nicht allein bliebe.Lori

Ein “LIKE” hilft nichts!

Nicht jedes Tier, das in einem Video niedlich aussieht ist glücklich!

Nicht jedes Tier, daß man vermenschlicht kann als Haustier gehalten werden!

Manchen Tieren, die nicht beißen hat man schlicht die Zähne herausgebrochen, um sie als Haustier nutzbar zu machen!

Falschverstandene Tierliebe kann Tierquälerei sein!

ticklingistorture.org

Die freie Presse fühlt sich bedroht. Vom EDEKA in Chemnitz!

Ein Supermarktbetreiber irgendwo in Deutschland möchte die Bild-Zeitung nicht mehr verkaufen. Daraufhin kündigt der Grossist ihm die Belieferung komplett. Der Supermarkt wird darauf in Zukunft auf der frei werdenden Fläche u.a. Kinderbücher anbieten.

Soweit so belanglos. Würde der Branchendienst kress nicht am 28.05. wie folgt titeln:

Supermarkt-“Bild”-Boykott bedroht freie Presse:

“Niemand hat das Recht zu zensieren”
http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/131661-supermarkt-bild-boykott-bedroht-freie-presse-niemand-hat-das-recht-zu-zensieren.html

Kress gibt dort Stimmen eines „Forum Lokaljournalismus“ wieder das in Köln stattgefunden hat. Vor allem wir dort Katja Bauroth, Redaktionsleiterin der “Schwetzinger Zeitung” zitiert. Unter anderem mit den Aussagen: “Was dieser Markt gemacht hat, ist eine Bevormundung – und die, die bevormundet werden, bejubeln das auch noch in den sozialen Netzwerken. Vom Thema Pressefreiheit möchte ich gar nicht erst anfangen.“ Zudem bemerkt Frau Bauroth, laut Kress „Niemand habe das Recht, die freie Presse zu zensieren“.

Zensur und Einschränkung der Pressefreiheit, ja eine Bedrohung der freien Presse in Deutschland wie die Überschrift verkündet, also quasi ein Verfassungsbruch und irgendwas auf Augenhöhe mit der Spiegel-Affäre, um es mal richtig hoch zu hängen. Und das durch den Inhaber eines EDEKA-Marktes in Chemnitz?

Edeka in Chemnitz spielt Zensor (Zwischenüberschrift bei Kress)

Gehen wir der Einfachheit halber mal davon aus, daß es wirklich eine Einschränkung der Pressefreiheit und Zensur ist, wenn sich z.B. der EDEKA in Chemnitz entscheidet ein bestimmtes Medium nicht anzubieten.

Was würde das in der Praxis bedeuten? Würde dann jeder Kiosk, jede Tankstelle und jedes Geschäft das nicht sowohl die „Jüdische Allgemeine“ als auch die NPD-Postille „Deutsche Stimme“ im Regal hat, Zensur betreiben, die Pressefreiheit einschränken und die freie Presse bedrohen?

Aber mal im Ernst: Würde man auch einem jüdischen Supermarktbetreiber in München vorwerfen, er würde seine Kunden bevormunden, wenn er „Deutsche Stimme“  und die Landser-Heftchen nicht anbietet? Würde man Anstoß am Verhalten der Kundschaft nehmen, wenn diese das gut heißt?

Müßte, wer Zeitungen verkaufen will, also alle Zeitungen anbieten, um der Pressefreiheit genüge zu tun?
Und zensiert dann nicht auch irgendwie jeder Leser, der sich am Zeitungsständer für nur eine Zeitung entscheidet? Und was ist, wenn ein Redaktionsleiter oder Chefredakteur entscheidet einen Artikel nicht ins Blatt zu nehmen oder von einem Fotografen übermittelte Bilder nicht (alle) zu drucken?

Sebastian Tauchnitz, Redaktionsleiter bei der  “Thüringer Allgemeine“ sieht da allen Ernstes sogar ein Verbot der Bildzeitung: “Nur weil ich mit der Berichterstattung nicht einverstanden bin, kann ich sie nicht verbieten.“

Wer diesem Gedanken folgt, der kann auch sagen, daß die Bibel, Schweinefleisch und Kondome verboten sind, sobald sie der Inhaber irgend eines Ladens nicht verkaufen mag.

Das Grundgesetz sagt übrigens im Artikel 5, Satz 1:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Da steht nicht, daß irgendwer in der Pflicht steht, bei der Verbreitung der Meinung anderer mitzuwirken. Da steht nicht, daß jeder Ladenbesitzer alle Medien oder überhaupt Medien anbieten muß.

Dass für „Lügenpresse“ schreiende Demonstranten, Pressefreiheit heißt, daß in Zeitungen gefälligst das zu stehen hat, was der eigenen Meinung entspricht und daß mancher, der seinen Hass in den Kommentarspalten unter Artikeln ausschüttet, meint, er habe ein Recht darauf, daß ihm da im Rahmen, der Meinungs- und Pressefreiheit, die technische Plattform zur Verfügung gestellt werden müsse und jede Löschung einer Beleidigung Zensur sei… Geschenkt!

Aber wenn selbst in den Redaktionen und beim Branchendienst Kress, die Begriffe Pressefreiheit und Zensur scheinbar nicht im Ansatz verstanden werden, dann kann einem das schon Sorge bereiten.
P.S.: Ein interessantes Detail am Rande ist , daß es den Verteidigern der Pressefreiheit im Kress-Artikel nicht irgendwie als Problem oder auch nur erwähnenswert erscheint, daß der Grossist (der per Gebietsschutz quasi Monopolist ist) den Händlern vorschreibt, welche Medien sie in welcher Kombination abzunehmen und anzubieten haben.

Da wirkt der letzte Absatz des Kress Artikels wo Bauroth folgendes Zitat von Bernhard Mattes, Geschäftsführer der Ford-Werke in Köln, anbringt irgendwie bizarr: “Alles, was diskriminierend ist, hat auf dem Marktplatz nichts verloren”.

P.P.S.: Die Freunde einer bizarren Pressefreiheit legen nach

“”Es steht dem Einzelhandel nicht zu, Pressezensur zu betreiben. Der Edeka-Händler darf die Bild-Zeitung mit spitzen Fingern anfassen, wenn er sie nicht mag. Verkaufen muss er sie aber trotzdem”, betont Hendrik Zörner, Sprecher vom Deutschen Journalisten-Verband. “

Würde Herr Zörner das mit den spitzen Fingern, dem Inhaber eines jüdischen Supermarktes genauso nahelegen, wenn es um die “Deutsche Stimme” geht?

Ob Hendrik Zörner sich für die taz oder das “Neue Deutschland” genauso ins Zeug legen würde? Was ist mit dem Bäcker, der nur die Bild verkauft?

Und natürlich wirft das die Frage auf: Bestimmen dann also die Grossisten, indem sie festlegen, was der Händler abzunehmen hat, wer welche Zeitungen bekommen kann? Ist das dann keine Zensur?

http://kress.de/tweet/tagesdienst/detail/beitrag/131697-supermarkt-bild-boykott-in-chemnitz-verkaufen-muss-er-sie-trotzdem.html

Nudging = Mobbing

Ein spannender Artikel für alle die meinen, Nudging sei etwas Gutes und da ginge es nur um Fliegenbildchen in Urinalen…

http://www.washingtonpost.com/blogs/wonkblog/wp/2015/05/21/kansas-has-found-the-ultimate-way-to-punish-the-poor/

Die Grenze zwischen Nudging und Mobbing ist fließend.

Man nehme Sozialhilfeempfänger und läßt sie nurnoch $25 von der Sozialhilfe Tag pro abheben. Weil man nicht will, daß diese Menschen das Geld verschwenden. Denn es hat Fälle gegeben wo diese Geld an Geldautomaten neben Stripclubs und Spirituosenläden abgehoben haben.

Natürlich sind das Einzelfälle und natürlich weiß auch niemand ob das Geld dann im Schnapsladen oder Stripclub ausgegeben wurde. Und in armen Gegenden hängen die Geldautomaten eben auch nicht an jeder Ecke, sondern da wo es sich lohnt.

Nun geht es um Geldautomaten wo der kleinste Schein eine $20 Note ist. Man also nur $20 pro Tag abheben kann.

Um die durchschnittlich $400 Sozialhilfe einer Mutter mit zwei Kindern abzuheben würde man man also an 20 Tagen im Monat zum, möglicherweise recht weit entfernten, Automaten gehen müssen.

“Würde gehen müssen”? Ja, denn es ist so, daß jede einzelne Abhebung am Geldautomaten zu Gebühren führt. Und damit nach Rechnung der Washington Post schnell $30 der $400 verloren gehen.

Und das ist dieses Nudging, das die Bundesregierung toll findet