Und noch ein „Sucherkamera“-Konzept

10 11 2009

Kaum, daß die Sucherkameras wieder in brauchbaren Versionen, also Kameras mit großen, rauscharmen Sensoren und entsprechender Bildqualität, Wechselobjektiven, brauchbaren Lichtstärken statt wahnsinnigen Zoomfaktoren und Suchern* statt Löchern auf den Markt zurückkehren und sich mit MicroFourThirds ein Standard entwickelt hat, kommen die ersten Hersteller, die das Rad neu erfinden müssen.

Und so schlug heute die Ricoh GXR im Internet auf. Ricoh hat statt einer Kamera mit Wechselobjektiven eine Kamera mit auswechselbaren Sensor/Objektiv-Modulen gebaut, wobei Sensor und Objektiv fest verbunden sind.

Im Grunde genommen ist das so, als würden Nikon und Canon die Objektive fest an die SLR-Gehäuse schrauben und die Stromversorgung, Speicherkarte, Display und den Auslöser aus der Kamera in einen Hochformatauslöser verlegen, der dann zu allen Modulen paßt.

Und jetzt brauchen wir nur noch Kunden die so doof sind, daß wir es Ihnen als tolle Innovation verkaufen können, daß sie jetzt bei jeder neuen Sensorgeneration auch die Objektive neu kaufen dürfen. Zur Belohnung nimmt das Gesamtvolumen des Kamerasystems auch noch kräftig zu, denn jedes Objektiv hat jetzt noch einen schwarzen Kasten hinten dran.
Stattdessen gibt es Stimmen, die das ganze auch noch als ein Baukastensystem loben. Was daran mehr Baukasten ist als ein Gehäuse-Wechselobjektiv-System müßte wir erstmal jemand erklären. Ein Mittelformatsystem mit Digiback, Kamera mit Wechselsuchern und Objektiven, das ist ein Baukasten.
Und auch der Umstand, daß die Sensoren in den bisher vorgestellten Modulen so unterschiedlich sind, daß die Ergebnisse so aussehen werden als würde man eine Kompakte zusammen mit einer DSLR benutzen, kann nichts sein, was einen Fotografen glücklich macht. Die einen Bilder kommen vom rauschigen Winzsensor der im Zoom-Modul (entspr. 24-70 KB) verbaut ist, die anderen vom APS-C Sensor im Makroobjektiv-Modul (entspr. 50mm KB).
Wenn ich schon ein Kamerasystem benutze, dann sollte auch das, was da an Bildern rauskommt aussehen wie aus einen Guß und nicht wie aus verschiedenen Galaxien. Sonst kann ich auch einfach zwei Kameras benutzen, das macht vom Volumen her u.U. auch keinen Unterschied und billiger wäre das je nach Kameras auch; und wenn was kaputt geht, kann man in jedem Fall weiterarbeiten.
Man kann das Rad neu erfinden, aber es sollte schon was rundes dabei rauskommen. Da Canon, Nikon und Sony bislang noch keine Sucherkameras in der Art eine MFT oder Leica X1 (etwas M9-artiges wird sich kaum jemand außer Cosina trauen) auf dem Markt haben kann man gespannt sein, was da noch kommt. Hoffen wir, daß man da einfach mal schaut wie Sucherkameras mit KB-Film ausgesehen haben und man dann das gute aus dieser Zeit ins Jetzt hinüberrettet statt krampfhaft was neues/anderes machen zu wollen.
* Ich mag elektronische Sucher nicht, aber immerhin zeigt der Umstand, daß allerlei Kameras einen solchen Sucher bekommen, daß die Kamerahersteller erkennen, daß Fotografen zum einen Wert auf Sucher legen und neben dem Bild auch Informationen im Sucher haben wollen und Kameras auch ohne aktiviertes Display bedienbar sein müssen. Das zeigt sich z.B. auch bei der Leica X1 die eine kleine LED hat, die bei Nutzung des Aufstecksuchers aufleuchtet, wenn die Kamera fertig fokussiert hat. Bei der Lumix LX-3 und Leica D-LUX 4 hat man da noch das Display angeworfen um da einen kleinen grünen Punkt auf schwarzem Hintergrund zu zeigen und nebenbei das Gesicht des Fotografen zu beleuchten.

 

 





Leica M9 – Eine Sucherkamera braucht halt einen Sucher

9 11 2009

Mit der Olympus EP-1 bin ich nicht glücklich geworden und bei Olympus hat man scheinbar auch erkannt, daß eine Sucherkamera ohne Sucher irgendwie nicht so das Ende der Weisheit darstellt und deswegen wird es ab Anfang nächstem Jahres eine EP-2 geben bei der man einen elektronischen Sucher aufstecken kann (selbiges bietet auch die Panasonic GF-1, die ebenfalls den MicroFourThirds-Standard nutzt).

Ob es Spaß machen wird mit diesem elektronischen Sucher scharf zu stellen und wie gut das gehen wird, wird man sehen, in jedem Fall macht er die Kamera nicht unbedingt kompakter. Aber wer Zoomobjektive will, wie sie zu den MFT-Kameras angeboten werden, wird um einen elektronischen Sucher kaum herumkommen.

Für mich ging der Weg deswegen zurück zur Meßsucherkamera (meiner M6TTL hatte ich auch lange genug nachgetrauert). Meßsucherkameras sind nicht jedermanns Sache, ob man damit klar kommt muß jeder für sich selbst entscheiden. Dem ganzen aber mal eine Chance zu geben und sowas mal auszuprobieren ist sicher kein Fehler. Meßsucherkameras, gerade wenn Leica draufsteht und sie teuer sind, gehören zu den Dingen in der Fotografie zu denen viele eine Meinung haben; auch gerne ohne sowas überhaupt mal benutzt zu haben. Gleichzeitig sind Meßsucherkameras der Kameratyp, bei dem einem fremde Meinungen am wenigsten helfen. Manche Dinge muß man einfach selbst ausprobieren.

Nach einem kurzen Leica M8-Gastspiel* tut jetzt hier seit ein paar Wochen eine M9 ihre Pflicht und Schludigkeit; und das macht sie richtig gut. Schon die M8 war eine Offenbahrung, aber kaum daß sie da war, war leider schon das Ende ihres Gastspiels absehbar, deswegen hab ich es mir geschenkt etwas dazu zu schreiben, aber viele Dinge die an der M9 toll sind, sind an der M8 schlicht identisch und machen die M8 momentan auch zu einer tollen Gebrauchtkamera. Auch wenn man an jeder Ecke jemanden findet, der einem erklärt, daß die M8 praktisch unbrauchbar sei – Leute die damit fotografieren sehen das anders.

Die M9 ist eine „richtige Kamera“, wenn man die Blende verstellen will, dreht man am Blendenring, wenn man scharfstellen will am Fokussierring und wenn man die Belichtungszeiten verstellen will, dann dreht man am Zeitwahlrad, alles wie bei einer analogen M6. Das ist so dermaßen intuitiv, daß einem Kameras wie eine E-P1 vorkommen wie ein Zauberwürfel. Es ist einfach eine Freude wieder mit einer M-Leica arbeiten zu können, weil es so ist als hätte man wieder eine gute alte Kamera in der Hand. Das ist ein wenig so wie der haptische Unterschied zwischen eine Nikon FM2 und einer D90, das optisch, mechanischen Erlebnis der Fotografie gewinnt wieder über all die elektronischen Aspekte. Natürlich braucht die M9 wie jede Digitalkamera auch ein paar Knöpfe für den digitalen Teil und ein Display auf dem Rücken, hat Menues und eine Speicherkarte, aber auch das ist alles überaus einfach und elegant gelöst, daß man oft schlicht verwundert ist, daß an der Kamera nichts fehlt.

Der Engländer sagt zum Sucher „Finder“ und der Unterschied zwischen einem Sucher einer Sucherkamera wie einer Canon G9 und dem Sucher der Leica M9 ist eigentlich ganz gut beschrieben, wenn man den einen Sucher und den anderen „Finder“ nennt. Der entscheidende Vorteil einer Meßsucherkamera gegenüber einer Sucherkamera ist schlicht und einfach, daß man wirklich sieht wo man fokussiert und das mit einer Präzision die es ermöglicht auch wirklich lichtstarke Objektive bei Offenblende zu benutzen. Die Leica Objektive sind auch bei Offenblende schon gestochen scharf, aber das wäre völlig nutzlos, wenn die Kamera es nicht ermöglicht die präzise Schärfe da hinzulegen wo man sie haben will.

Das war einer der Punkte die an der Olympus EP-1 ärgerlich waren, denn der eingebaute AF hat schon beim 2,8 17er (entspricht einem 35er an KB) bei Offenblende gerne mal daneben gelegen und auch mit der manuellen Fokussierung (über das Display) war das nicht besser zu schaffen (auf das Paar im Hintergrund zu fokussieren wie beim ersten Bild war ein Albtraum), mal abgesehen davon, daß das nicht wirklich schnell geht. Ob man mit einem 1,4er Objektiv da glücklich wird man sehen müssen. Ein gescheiter Sucher war früher etwas ganz normales und sogar Meßsucher waren in Kameras wie der Minolta Hi-Matic zu finden.

Manuelles Fokussieren mit der M9 geht mit ein wenig Übung schneller und präziser als mit dem AF einer Sucherkamera.

Und die Schärfe liegt dann auch genau da, wo man sie haben will. Denn das Meßfeld einer Meßsucherkamera zeigt genau, was innerhalb des Meßfeldes scharf wird, das AF-Meßfeld einer AF-Sucherkamera stellt auf irgendwas innerhalb des Meßfeldes scharf, was genau das ist, ist das Geheimnis des AF-Systems, denn im Gegensatz zur Spiegelreflex und Meßsucherkamera gibt es bei der AF-Sucherkamera keine optische Kontrolle der Schärfe im Sucher (elektronische Sucher mal ausgenommen, aber die haben die gleichen Probleme wie die Displays auf der Rückwand).

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Wenn es dann noch ein gutes Objektiv ist, dann ist die Schärfenebene auch am Rand so scharf wie in der Mitte.

Abgesehen davon, daß die Optiken, die Leica für das M-System baut, zum besten gehören, was man für Geld kaufen kann, sind die Dateien die aus der M9 (oder auch der M8) kommen wegen des nicht vorhandenen AA-Filters vor dem Chip im Vergleich zu anderen Kameras, wie der EOS 5DII, ungeheuer scharf.

Beim Thema Rauschen kann die M9 gegenüber der M8 punkten, aber nicht mit Kameras wie der 5DII oder der Nikon D3 mithalten. Das ist ein tolles Thema für Leute die sich stundenlang damit beschäftigen können Bilder bei 100% zu betrachten, die noch nie einen 800ASA CN-Film gesehen haben und für die das Bild nicht sehen, weil sie an den technischen Aspekten des Fotos hängen bleiben.

Die Praxis ist eine andere Geschichte: Meine Canon DSLRs benutze ich in der Regel bis 800ASA, wenn es sein muß auch mal bis 1600ASA. 3200ASA ginge zur Not auch, allein ich brauche es vielleicht alle 6 Monate einmal. Die M9 ist bei 800ASA unkritisch und bei 1600ASA noch keine Katastrophe, dazu kommt der Vorteil der lichtstarken Objektive und der genaueren Fokussierung, was schnell nochmal 1-2 Blendenstufen bringt. Wo ich mit der Canon bei 800 ASA liege, reichen mir bei der M9 meist schon 400ASA. So gesehen ist Rauschen nichts wovor man bei der M9 sonderlich Angst haben müßte.

Was die Bildqualität betrifft braucht sich die M9 vor Spiegelreflexkameras nicht zu verstecken. Und auch sonst kann sie punkten, denn eine M9 mit 2-3 Objektiven kann man locker in den Jackentaschen unterbringen (ein Leica M 1,4 35er ist ein Winzling im Vergleich zu einem Canon EF 1,4 35L) das macht das Leben im wahrsten Sinne des Wortes leichter, denn eine DSLR mit 2-3 Objektiven den ganzen Tag zu schleppen kann ganz schön in die Knochen gehen. Dazu kommt, daß die Leica leiser und weit weniger auffällig ist als eine DSLR.

Kurz: Die M9 ist eine digitale M6 mit besseren Filmen als man sie zur M6 kaufen konnte.

Auf der negativen Seite stehen ein paar Kleinigkeiten, wie z.B. der Umstand, daß die Kamera Ewigkeiten (im Vergleich) braucht, um eine Speicherkarte zu formatieren, was sich sicher per Firmware-Update lösen läßt und ich hätte die Kamera lieber schwarz verchromt statt lackiert gekauft. Und einen mechanischen Aufzugshebel hätte ich auch lieber als den elektrischen Aufzug. Aber relevant ist das alles kaum.

* Die M8 ist mit der aktuellen Firmware und einem IR-Filter vor dem 6-bit codierten Objektiv eine wirklich tolle Kamera und wenn man sie nicht mit einer M9 zusammen benutzt, kann man damit sehr sehr glücklich werden. Aber eine Kamera die IR-Filter braucht und eine Kamera die ohne auskommt zusammen zu benutzen ist einfach eine anstrengende Kombination.





Der Weihnachtsmann ist auch kein Heiliger!

2 11 2009

Der heilige Nikolaus war Bischof und sah sicher nicht so aus wie der Weihnachtsmann. Der Weihnachstmann ist weder ein Heiliger noch irgendwie eine biblische Figur die irgendwas mit Christi Geburt (das ist das, worum es beim Weihnachtsfest mal ging) zu tun hätte. Irgendwann hat man dann, im Rahmen einer Rationalisierungsmaßnahme und um Synergieeffekte zu nutzen, Sowohl den Nikolaus als auch den Weihnachtsmann zu einem dicken Mann in einem lächerlichen roten Dress mit Gartenzwergmütze und Bart erklärt. Damit brauchte man nurnoch zwei Sorten Alufolie zum Einpacken: Den Typen in Rot und den Osterhasen.

Ob man nun sonderlich religiös ist oder nicht, wenn man schon diese Nikolausnummer durchzieht, dann kann man das auch richtig machen, mit einem Nikolaus, der nicht aussieht als würde er auch den Coca-Cola-Weihnachts-Truck fahren.

 

Um im Webshop der Steyler-Missionare was zu kaufen muß man schon, ein wenig arg katholisch drauf sein und über manches da kann man nur schmuzeln, so wie über die Siedler von Kanaan oder über die Biographie mit dem Titel „Anselm Grün sein Leben“, als wie wenn den Anselm bei Schalke gespielt hätte. Und, wenn es dann in der Beschreibung heißt „Im Bildteil zeigen Originalaufnahmen Momente aus Anselm Grüns Leben.“, dann ist man natürlich auf der einen Seite enttäuscht, daß das nicht steht „(…) aus Anselm Grün sein Leben.“ auf der anderen Seite ist es aber schon toll, daß die Fotos nicht mit Krippenfiguren nachgestellt wurden.

Aber der Nikolaus ist irgendwie eine Ausnahme und für 7,60 € im 4er Pack nicht wirklich teuer. Eine tolle Sache, wenn man z.B. mal bei irgendwelchen „Superchristen“ den 6. Dezember aufmischen will: „Schau mal, was Mama und Papa da gekauft haben und wovon sie behaupten der Heilige Nikolaus hätte es gebracht ist nur eine billige Kopie…“

Und ansonsten gilt, wenn man schon irgendwas kauft, dann kann man auch gleich das Original nehmen.

 





Schmunzler der Woche

31 10 2009

Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken und man fragt sich ob sich mancher Journalist nicht besser mal 10 Minuten in die Ecke setzen sollte und versuchen sollte herauszufinden, worum es bei der Sache über die er da gerade schreibt eigentlich geht und ob sich das aus einem anderen Winkel ganz anders darstellen könnte.

Wenn ein 50 jähriger böser Moslem irgendwo in Afghanistan ein 14-16 jähriges Mädchen zwangsheiratet wird das in den deutschen Medien als schlimm dargestellt; was es ja ohne Frage auch ist. Die Frage ob die beiden sich vielleicht ganz doll verliebt haben stellt man sich nicht, weil das völlig abwegig erscheint.

Passiert sowas in Afrika, und ist das Mädchen 17 und der glückliche Bräutigam 112 Jahre als, merkt man, daß Afrikaner scheinbar nicht wirklich ernst genommen werden. Denn dann stellt man sich nichtmal die Frage ob das wirklich was ist, was beide wollen. Bei den Schwarzen in Afrika ist immer alles lustig. Also keine Frage, ob das evtl. auch böse Moslems sind oder was noch intelligenter wäre die Frage ob es nicht vielleicht völlig egal, für die Frage ob das gut oder schlecht ist, ist welche Religion jemand hat, der als alter Mann kleine Mädchen heiratet. Lieber suggeriert man, daß es sich wohl um so einen tollen Hengst wie den Hugh Hefner handelt. Aus dem 17jährigen Mädchen und den „Mädels“ im ersten Satz wird im Text „die Frau (…) (die) schon lange sein ‘großer Traum’ gewesen (sei)“. Und schwups ist das, was in Afghanistan noch schlimm war, eine super Meldung für  die Rubrik „Kurz gelacht, die Schmunzler der Woche“.

Ein Schelm, wer es befremdlich findet wenn im Text nur der 112jährige Bräutigam zu Worte kommt, der sich schon auf den Sex und das Kindermachen freut. Wie das sein 80jähriges Sohn finden mag, ist da noch die größte Sorge der Verfassers; der könnte ja auch seelischen Schaden nehmen.

Vielleicht ist es besser, wenn die 17jährige nicht zu Wort kommt, wer weiß ob es dann noch in die Rubrik mit den Schmunzlern der Woche paßen würde; auch wenn „kurz gelacht“ im Sinne von „das Lachen vergangen“ für die Braut vielleicht recht treffend sein könnte.






Ralph Laurens Kampf gegen die Magersucht

7 10 2009

Wenn ein Modelabel was gegen Magersucht macht  ist das mindestens gut wie etwas zum Urheberschutz zu machen. Jedenfalls im Prinzip. Wenn man sich als Modelabel aber entblödet ein krankes Bild eines im Photoshop völlig unnatürlich bearbeiteten Model zu nutzen und dann versucht die Berichterstattung darüber unter zuhilfename des Urheberrechts zu verbieten, dann ist das was anderes. Das wirklich abartige an dem Bild ist, daß es (jedenfalls für alle die sich nicht darüber totlachen und glauben man könne wirklich so aussehen) den Eindruck vermittelt man könne sich soweit runterhungern ohne das das Gesicht völlig abgezehrt aussieht, an den Armen jede Vene und Sehne zu sehen ist und alles was mal Oberweite war den Bach runter geht.

Magersucht ist eine Krankheit und man kann nicht gleichzeitig eine Wespentaille und das dralle gesunde Gesicht der Biene Maja haben! Wer das Gewicht eines Verhungernden aus der Sahel-Zone haben will, der bekommt auch das Gesicht eines Sterbenden.

So zu tun als wäre es möglich das eine ohne das andere zu haben ist zynisch und gefährdet die Gesundheit tausender Essgestörter in aller Welt noch mehr als das ohnehin der Fall ist. Zu versuchen Hinweise, daß die Frau in der Anzeige garnicht wirklich so aussehen kann – was vielleicht das eine oder andere jungen Mädchen vom Versuch abhalten könnte sich so eine Figur zu erkotzen – zu unterbinden setzt dem ganzen noch einen drauf und das ganze bekommt einen menschenverachtenden Touch.

Ganz abgesehen davon, daß sowas im Internet eh nicht funktioniert, denn was man bei photoshopdisasters nicht mehr sehen kann, sieht man jetzt auf all jenen Seiten die darüber berichten, wie hier im Screenshot:





In „Eigenleistung“ verbreitert…

3 10 2009

Wenn man als Bildredakteur ein Bild braucht, daß als extrem breites und flaches Bild funktioniert, dann kann man sich ein Bild suchen, bei dem das so ist oder man kann sich ein suchen bei dem das per Beschnitt funktioniert (wobei da immer die Frage bleibt, ob das dem Fotografen recht ist, denn der hat das Format seines Bildes und die Frage was in seinem Bild so zu sehen ist ja auch aus einem gewissen Grund gewählt und mag es nicht unbedingt, wenn am Ende genau das was ihm wichtig war abgeschnitten ist).

Was allerdings völlig daneben ist, ist einfach das fehlende Drittel zu spiegeln, ein paar allzu verräterische Details zu „photoshoppen“ und das dem Leser noch als Foto zu verkaufen, so wie es die Stuttgarter Zeitung gemacht hat, was aber bei den Leuten von Bildblog aufgefallen ist.

Peinlicher wird das ganze noch, wenn der journalistische Anspruch hinter dem breiten Bild vom Chefredakteur wie folgt erklärt wird:

„Das Foto auf der Seite 1 ist kein Selbstzweck. Es soll zwar die Optik der Titelseite attraktiver und moderner machen, aber es soll vor allem die journalistische Qualität und journalistische Eigenleistungen der StZ hervorheben.“

Da kann man nur sagen: Besser man hätte das mit der „Eigenleistung“ gelassen und nicht an der Leistung des Fotografen rumgefrickelt.

Die ganze Geschichte bei: www.bildblog.de





Was ist soziale Gerechtigkeit?

30 09 2009

„Wir haben zugelassen, dass die einen ihre Heizung nicht mehr bezahlen können und frieren, während die anderen Winter-Barbecues im Garten unter Gasheizstrahlern veranstalten.“

Hanzala Malik, Stadtrat Glasgow, Labour Party





Zeitungen in der Krise

29 09 2009

In denUSA diskutiert man gerade, ob die Regierung beim durch die weltweite Wirtschaftkrise verursachten Zeitungsterben intervenieren soll. Wer ein wenig nachdenkt, wird sich fragen: War denn die Zeitungskriese nicht schon eine Folge des 11. September?

Aber auch das wäre eine Fehlannahme. Die Zeitungskrise ist genau das, was der Name sagt: eine Krise der Zeitungen. Und so ist der Artikel von Daniel Lyons zum Thema in der Newsweek etwas, das schon lange gesagt werden mußte und das sich auch in weiten Teilen mit dem deckt, was die Probleme der Zeitungen in Deutschland beschreibt.

Sehr treffend ist dabei Lyons’ Analyse, daß viele Zeitungen vor allem deswegen in die Krise geraten sind, weil sie den Anzeigenkunden für ihre entscheidende Kundschaft gehalten haben und dabei übersehen haben, daß es die Leser sind die über Erfolg oder Mißerfolg einer Zeitung entscheiden.





Wir sind hier in Deutschland!

28 09 2009

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Schon am Tag nach der Wahl zeigt der neuen Möchtegern-Außenminister Guido Westerwelle der Welt dann schonmal wie man sich das in Zukunft vorzustellen hat. Wer als BBC Reporter in Deutschland, was von ihm wissen will muß Deutsch sprechen, denn „Wir sind hier in Deutschland..“ Das hätte der NPD-Vorsitzende Udo Voigt nicht sympathischer rüberbringen können.

Schlimm ist aber auch, daß, wenn man mal eine Englischsprachprobe der selbsternannten deutschen Freiheitstatue gehört hat, man sich nicht so recht vorstellen kann wie er als Außenminister außerhalb von Deutschland anders als auf Deutsch kommunzieren will oder kann. In der freien Wirtschaft hätte er sich damit für alle Aufgaben außerhalb Deutschlands disqualifiziert.

In gewisser Weise kann man, wenn man Westerwelle mal auf Englisch gehört hat, seinen an den BBC Reporter gerichteten Versuch das zu retten auch als Drohung verstehen: „Wir können uns gern mal zum Tee treffen und dann Englisch reden.“

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Wie aus Satire Realität wird

21 09 2009

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Im Internet wird abgeschrieben und aus dem Internet wird abgeschrieben. Genauso holt man sich dort Zitate und Links. Zitate und Links sind kein Problem solange man seine Quellen angibt. Abschreiben ist genauso daneben wie es das früher in der Schule bei den Hausaufgaben war.

Was aber peinlich ist, egal ob man abschreibt, zitiert oder verlinkt, ist, wenn man etwas verlinkt, zitiert oder abschreibt, was man augenscheinlich selbst nicht gelesen hat und was überhaupt nicht zum Thema paßt oder dem diametral entgegenläuft. Und so hat es mein Text zum Thema Pressefreiheit auf dem Oktoberfest mittlerweile auch auf andere Websites geschafft, wo man beeindruckt ist, daß es sogar in Nordkorea ein Oktoberfest gibt.

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Peinliche Nummer. Der Lateinlehrer war früher ja auch nicht beeindruckt, wenn man die Mathehausaufgaben der Parallelklasse abgeschrieben hatte.

Die ganze Nummer zeigt einmal mehr, daß das Internet mit Vorsicht zu genieße ist. Jeder kann hier alles schreiben und deswegen sollte man nicht alles glauben, denn neben denen die bösartig die Wahrheit verdrehen gibt es Unmengen von Leuten die aus Unwissenheit, Unfähigkeit oder als Folge der eigenen Unbedarftheit und Leichtgläubigkeit Dinge verbreiten die mit der Wahrheit wenig bis garnichts zu tun haben.

Viele Menschen sind schnell mit dem Vorwurf bei der Hand, daß klassische Medien durch ihre Anzeigenkunden beeinflußt wären und man ihnen nicht trauen könne. In der Folge singt man gerne das hohe Lied auf den Citizen Journalism. Das auch die ganzen vermeintlich unabhängigen Stimmen im Netz eigene Interessen haben wird dabei ausgeblendet, weil diese oft nicht so leicht erkennbar sind. Sei es, daß es Ihnen weniger um Inhalte als um die darüber erzeugten Klicks und Werbeeinnahmen geht oder sei es, daß man einfach journalistisch unsauber oder sogar missionarisch arbeitet, weil man es nicht besser weiß.