Das Rückblende-Dezember-Loch … mal wieder

Angeblich war die Wahl von Bodo Ramelow zum ersten Ministerpräsidenten der Linken in der Geschichte der Republik irgendwas zwischen historischem Ereignis und Anfang vom Ende der BRD. Bedeutungslos fand das niemand.

Bei der Rückblende, “dem deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur”, wird die Wahl hingegen nicht stattfinden, denn der Einsendschluß war am 03.12. um 12 Uhr, die Wahl erst am 05.12. und die Teilnahmebedingungen lassen es nicht zu Bilder aus dem Dezember im Folgejahr einzureichen.

Da fragt man sich schon, ob das sinnvoll ist.

Liebes Facebook, wir müssen reden!

Offener Brief von Freelens an dieses Facebook:
Liebes Facebook,
wir haben versucht, deine Faxnummer rauszubekommen oder zumindest eine E-Mail Adresse, über die wir dich erreichen können – und nicht ein Callcenter, das uns automatisierte Antworten schickt. Davon haben wir schon genug.
Worum geht es?
Du stellst auch Neonazis deine Plattform zur Verfügung, um Fotojournalisten zu bedrohen. Die veröffentlichen Steckbriefe der Fotografen und rufen in ihren Beiträgen öffentlich zur Gewalt gegen Personen auf. Das liest sich dann so: »Da hilft nur denen die kamera im gesicht zu zertrümmern« oder »weggucken??? Draufhauen ja !« oder »Zum Abschuss freigegeben«.
Wenn man dich darüber informiert und bittet, diese Beiträge zu löschen, antwortest du, dass »es [die Beiträge] nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt.«
Das verstehen wir nicht – kläre uns bitte auf, denn deine »Gemeinschaftsstandards« finden wir prima – hast du sie auch gelesen?
So schreibst du darin u.a.: »Es ist dir untersagt, anderen glaubhaft Gewalt anzudrohen oder Gewalttaten in der echten Welt zu organisieren.« Oder »Facebook erlaubt keine Hassbotschaften …« oder »Wir fordern dich auf, das Veröffentlichen von persönlichen Informationen anderer ohne deren Zustimmung zu unterlassen.« oder »Wir fordern dich auf alle Urheberrechte […] einzuhalten.« Das hört sich doch super an!
Wenn die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und der Aufruf zur Gewalt schon nicht gegen deine »Gemeinschaftsstandards« verstoßen, möchten wir dich darüber informieren, dass es in Deutschland Gesetze gibt, die solche Taten untersagen – egal, ob du dein »Facebook-Recht« anwenden willst oder nicht.
Da wir dich nicht erreichen können, veröffentlichen wir diesen Brief neben unserer Homepage auch auf Facebook – wir halten uns ja an deine Regeln, oder?
Also, Facebook: Wann beendest du diese Menschenhatz?

Gewalt ist keine Antwort auf Gewalt sondern ihre Quelle

Die 22-jährige Tugçe A. wurde in Offenbach Opfer einer Prügelattacke. Gestern wurde die junge Studentin von den behandelnden Ärzten für hirntot erklärt.

Im Internet, in der Klinik in Offenbach und an anderen Orten kann man wunderbare Szenen der Menschlichkeit und Anteilnahme erleben. Viele Menschen sind verzweifelt und fragen sich, wo eine solche Verrohung und Gewalt herkommen.

Aber leider sind da auch unzählige unerträgliche Kommentaren auf facebook-Seiten etc. die sich mit nichts anderem als Gewaltphantasien, die man am Täter ausleben möchte, beschäftigen. Und genau diese Gedankenwelt, die man da besichtigen kann, in der nur Gewalt als eine Lösung für ein Problem in Frage kommt, ist die Quelle der Gewalt, deren Auswirkungen man im Klinikum in Offenbach gerade beweint.

Man fordert die Todestrafe, jahrelange Folter, will 100 Messerstiche verabreichen, sagt sich gegenseitig Hilfe dabei zu den Täter zu töten und was nicht noch alles. Und merkt nicht (und offenbar merkt auch kaum einer der anderen die dort schreiben), daß man damit genau jenem Macho-Gewalt-Kult huldigt der Tugçe A. das Leben gekostet hat.


” er und seine 2 Freunde kriegen ihre richtige straffe wenn wir die kriegen… In İstanbul haben wir schon angefangen Serben umzubringen es bleibt nicht nur bei einem…”

“Ich hoffe das diese Missgeburt gefunden wird und das gleiche Schicksal erleidet wie sein Opfer.”

” Überall wo er in Zukunft auftaucht, sollte er auf offener Straße zusammengeschlagen werden. Solange bis seine eigenen vier Wände zu einem Gefängnis auf Lebenszeit werden und er sich nicht mehr raus traut.
Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit, daher ist Selbstjustiz manchmal die einzige Möglichkeit Recht walten zu lassen.”

Und manche hat schon den Eindruck, daß es die Regel ist, daß sowas passiert.

“Es wird Zeit die Strafen zu verschärfen, damit sowas,wie TUGCE es erleben musste, irgendwann einmal die Ausnahme ist!!!”

Man kann Gewalt schlecht verurteilen, wenn man selbst davon träumt und sie für mehr oder weniger selbstverständlich erachtet

Richtig abseitig wird es, wenn man (deutscher Kommentator) Tugçe zur Heldin und zum Vorbild erklärt, den Eltern gartuliert, daß sie ihre Tochter zu einem so mutigen Menschen erzogen haben und dann meint ihre Eltern und Angehörigen wären, weil sie aus der Türkei stammen, wohl automatisch Anhänger der Blutrache:

“Der Täter sollte hart bestraft werden. Ich wäre für die Auslieferung an die Familie.”

Und am Ende, kommt immer noch eine Hohlbirne und sagt, das hätte es alles unter Adolf Hitler, dem Erfinder von Menschlichkeit und Gewaltlosigkeit, nicht gegeben… Da wird mir schlecht!

Bildschirmfoto 2014-11-27 um 11.00.36

 

Wenn es an etwas fehlt, dann sind es nicht härtere Gesetze, Selbstjustiz oder Hitler. Sondern Bildung und (Mit-)Menschlichkeit! Und nicht zuletzt, fehlt vielen das Vermögen mit unliebsamen Dingen anders umzugehen als zu Gewalt zu greifen.

Da erscheint es wie eine traurige Gemeinheit des Schicksals, daß es mit Tugce ausgerechnet eine angehende Lehrerin getroffen hat, die dieser Form der Ungebildetheit zum Opfer gefallen ist.

Vielleicht kann auch nur eine Gesellschaft, die sich von diesen Allmachtsphanatsien verabschiedet und in der man sich stattdessen der eigenen und der Verletzlichkeit des anderen bewußt ist, statt sich als menschliche Panzer zu verstehen, zu einem friedvollerem Umgang miteinander und zu mehr Zivilcourage finden.

Denn geholfen hat auch in diesem Fall nicht der 2 Meter große, 120 Kilogramm schwere, anabolikagestählte “Mir kann keiner was”-Typ sondern eine zierliche junge Frau, die vielleicht weil sie nicht so in diesem Gewaltdenken verhaftet war, sich der Tatsache bewußt war, daß schwache Menschen Hilfe brauchen, wo andere für Schwäche nur Verachtung überhaben.

Es ist traurig, daß für so viele die Konsequenz aus den Geschehnissen nicht ist, daß es mehr Zivilcourage bräuchte, daß mehr als eine in solchen Situationen einschreiten und sich der Gewalt entgegenstellen sollten, sondern man sich lieber in Gewalt- und Tötungsphantasien ergeht.